 kalt,
ihr Lieben! und nur die Götter des Hauses neigen ihr Ohr? - Diotima! - du bist
stille, du siehst nicht! - o wohl dir, dass du nicht siehst!
    So geh nur, seufzte sie, es muss ja sein; geh nur, du teures Herz!
    O süßer Ton aus diesen Wonnelippen! rief ich, und stand wie ein Betender,
vor der holden Statue - süßer Ton! noch Einmal wehe mich an, noch Einmal tage,
liebes Augenlicht!
    Rede so nicht, Lieber! rief sie, rede mir ernster, rede mit größerem Herzen
mir zu!
    Ich wollte mich halten, aber ich war wie im Traume.
    Wehe! rief ich, das ist kein Abschied, wo man wiederkehrt.
    
    Du wirst sie töten, rief Notara. Siehe, wie sanft sie ist, und du bist so
außer dir.
    Ich sah sie an und Tränen stürzten mir aus brennendem Auge.
    So lebe denn wohl, Diotima! rief ich, Himmel meiner Liebe, lebe wohl! -
Lasst uns stark sein, teure Freunde! teure Mutter! ich gab dir Freude und Leid.
Lebt wohl! lebt wohl!
    Ich wankte fort. Diotima folgte mir allein.
    Es war Abend geworden und die Sterne gingen herauf am Himmel. Wir standen
still unter dem Hause. Ewiges war in uns, über uns. Zart, wie der Äther, umwand
mich Diotima. Törichter, was ist denn Trennung? flüsterte sie geheimnisvoll mir
zu, mit dem Lächeln einer Unsterblichen.
    Es ist mir auch jetzt anders, sagt ich, und ich weiß nicht, was von beiden
ein Traum ist, mein Leiden oder meine Freudigkeit.
    Beides ist, erwiderte sie, und beides ist gut.
    Vollendete! rief ich, ich spreche wie du. Am Sternenhimmel wollen wir uns
erkennen. Er sei das Zeichen zwischen mir und dir, solange die Lippen
verstummen.
    Das sei er! sprach sie mit einem langsamen niegehörten Tone - es war ihr
letzter. Im Dämmerlichte entschwand mir ihr Bild und ich weiß nicht, ob sie es
wirklich war, da ich zum letzten Male mich umwandt' und die erlöschende Gestalt
noch einen Augenblick vor meinem Auge zückte und dann in die Nacht verschied.
                             Hyperion an Bellarmin
Warum erzähl ich dir und wiederhole mein Leiden und rege die ruhelose Jugend
wieder auf in mir? Ists nicht genug, Einmal das Sterbliche durchwandert zu
haben? warum bleib ich im Frieden meines Geistes nicht stille?
    Darum, mein Bellarmin! weil jeder Atemzug des Lebens unserm Herzen wert
bleibt, weil alle Verwandlungen der reinen Natur auch mit zu ihrer Schöne
gehören. Unsre Seele, wenn sie die sterblichen Erfahrungen ablegt und allein nur
lebt in heiliger Ruhe, ist sie nicht
