 bedarf es für jetzt
nicht. Der neue Geisterbund kann in der Luft nicht leben, die heilige Teokratie
des Schönen muss in einem Freistaat wohnen, und der will Platz auf Erden haben
und diesen Platz erobern wir gewiss.
    Du wirst erobern, rief Diotima, und vergessen, wofür? wirst, wenn es hoch
kommt, einen Freistaat dir erzwingen und dann sagen, wofür hab ich gebaut? ach!
es wird verzehrt sein, all das schöne Leben, das daselbst sich regen sollte,
wird verbraucht sein selbst in dir! Der wilde Kampf wird dich zerreißen, schöne
Seele, du wirst altern, seliger Geist! und lebensmüd am Ende fragen, wo seid ihr
nun, ihr Ideale der Jugend?
    Das ist grausam, Diotima, rief ich, so ins Herz zu greifen, so an meiner
eignen Todesfurcht, an meiner höchsten Lebenslust mich festzuhalten, aber nein!
nein! nein! der Knechtsdienst tötet, aber gerechter Krieg macht jede Seele
lebendig. Das gibt dem Golde die Farbe der Sonne, dass man ins Feuer es wirft!
Das, das gibt erst dem Menschen seine ganze Jugend, dass er Fesseln zerreißt! Das
rettet ihn allein, dass er sich aufmacht und die Natter zertritt, das kriechende
Jahrhundert, das alle schöne Natur im Keime vergiftet! - Altern sollt ich,
Diotima! wenn ich Griechenland befreie? altern, ärmlich werden, ein gemeiner
Mensch? O so war er wohl recht schal und leer und gottverlassen, der
Atenerjüngling, da er als Siegesbote von Maraton über den Gipfel des Pentele
kam und hinabsah in die Täler von Attika!
    Lieber! Lieber! rief Diotima, sei doch still! ich sage dir kein Wort mehr.
Du sollst gehen, sollst gehen, stolzer Mensch! Ach! wenn du so bist, hab ich
keine Macht, kein Recht auf dich.
    Sie weinte bitter und ich stand, wie ein Verbrecher, vor ihr. Vergib mir,
göttliches Mädchen! rief ich, vor ihr niedergesunken, o vergib mir, wo ich muss!
Ich wähle nicht, ich sinne nicht. Eine Macht ist in mir und ich weiß nicht, ob
ich es selbst bin, was zu dem Schritte mich treibt. Deine volle Seele gebietet
dirs, antwortete sie. Ihr nicht zu folgen, führt oft zum Untergange, doch, ihr
zu folgen, wohl auch. Das beste ist, du gehst, denn es ist größer. Handle du;
ich will es tragen.
                             Hyperion an Bellarmin
Diotima war von nun an wunderbar verändert.
    Mit Freude hatt ich gesehen, wie seit unserer Liebe das verschwiegne Leben
aufgegangen war in Blicken und lieblichen Worten und ihre genialische Ruhe war
mir oft in glänzender Begeisterung entgegengekommen.
    Aber wie so fremd wird uns
