 voll unaussprechlicher Freude.
    Gibts denn Zufriedenheit zwischen dem Entschluss und der Tat, begann ich
endlich wieder, gibts eine Ruhe vor dem Siege?
    Es ist die Ruhe des Helden, sagte Diotima, es gibt Entschlüsse, die, wie
Götterworte, Gebot und Erfüllung zugleich sind, und so ist der deine. -
    Wir gingen zurück, wie nach der ersten Umarmung. Es war uns alles fremd und
neu geworden.
    Ich stand nun über den Trümmern von Athen, wie der Ackersmann auf dem
Brachfeld. Liege nur ruhig, dacht ich, da wir wieder zu Schiffe gingen, liege
nur ruhig, schlummerndes Land! Bald grünt das junge Leben aus dir, und wächst
den Segnungen des Himmels entgegen. Bald regnen die Wolken nimmer umsonst, bald
findet die Sonne die alten Zöglinge wieder.
    Du frägst nach Menschen, Natur? Du klagst, wie ein Saitenspiel, worauf des
Zufalls Bruder, der Wind, nur spielt, weil der Künstler, der es ordnete,
gestorben ist? Sie werden kommen, deine Menschen, Natur! Ein verjüngtes Volk
wird dich auch wieder verjüngen, und du wirst werden, wie seine Braut und der
alte Bund der Geister wird sich erneuen mit dir.
    Es wird nur Eine Schönheit sein; und Menschheit und Natur wird sich vereinen
in Eine allumfassende Gottheit.
 
                                  Zweiter Band
                 mh pynai, ton apanta nika logon. to d'epei panh bhnai keiten,
                oten per hkei, poly deiteron os taxisa.
                                                                      SOPHOKLES.
 
                                  Erstes Buch
                             Hyperion an Bellarmin
Wir lebten in den letzten schönen Momenten des Jahrs, nach unserer Rückkunft aus
dem Attischen Lande.
    Ein Bruder des Frühlings war uns der Herbst, voll milden Feuers, eine
Festzeit für die Erinnerung an Leiden und vergangne Freuden der Liebe. Die
welkenden Blätter trugen die Farbe des Abendrots, nur die Fichte und der Lorbeer
stand in ewigem Grün. In den heitern Lüften zögerten wandernde Vögel, andere
schwärmten im Weinberg, und im Garten und ernteten fröhlich, was die Menschen
übrig gelassen. Und das himmlische Licht rann lauter vom offenen Himmel, durch
alle Zweige lächelte die heilige Sonne, die gütige, die ich niemals nenne ohne
Freude und Dank, die oft in tiefem Leide mit einem Blicke mich geheilt, und von
dem Unmut und den Sorgen meine Seele gereinigt.
    Wir besuchten noch all unsere liebsten Pfade, Diotima und ich, entschwundne
selige Stunden begegneten uns überall.
    Wir erinnerten uns des vergangenen Mais, wir hätten die Erde noch nie so
gesehen, wie damals, meinten wir, sie wäre verwandelt gewesen, eine silberne
Wolke von Blüten, eine freudige Lebensflamme, entledigt alles gröberen Stoffs.
    Ach! es war alles so voll Lust und Hoffnung, rief Diotima, so voll
unaufhörlichen Wachstums und doch auch so mühelos,
