 ihrer glühenden Schönheit.
    O du! - rief ich und stürzt ihr nach, und gab meine Seele in ihre Hand in
unendlichen Küssen.
    Gott! rief sie, wie wird das künftig werden!
    Das traf mich. Verzeih, Himmlische! sagt ich; ich gehe. Gute Nacht, Diotima!
denke noch mein ein wenig!
    Das will ich, rief sie, gute Nacht!
    Und nun kein Wort mehr, Bellarmin! Es wäre zuviel für mein geduldiges Herz.
Ich bin erschüttert, wie ich fühle. Aber ich will hinausgehn unter die Pflanzen
und Bäume, und unter sie hin mich legen und beten, dass die Natur zu solcher Ruhe
mich bringe.
                             Hyperion an Bellarmin
Unsere Seelen lebten nun immer freier und schöner zusammen, und alles in und um
uns vereinigte sich zu goldenem Frieden. Es schien, als wäre die alte Welt
gestorben und eine neue begönne mit uns, so geistig und kräftig und liebend und
leicht war alles geworden, und wir und alle Wesen schwebten, selig vereint, wie
ein Chor von tausend unzertrennlichen Tönen, durch den unendlichen Äther.
    Unsre Gespräche gleiteten weg, wie ein himmelblau Gewässer, woraus der
Goldsand hin und wieder blinkt, und unsre Stille war, wie die Stille der
Berggipfel, wo in herrlich einsamer Höhe, hoch über dem Raume der Gewitter, nur
die göttliche Luft noch in den Locken des kühnen Wanderers rauscht.
    Und die wunderbare heilige Trauer, wann die Stunde der Trennung in unsre
Begeisterung tönte, wenn ich oft rief: nun sind wir wieder sterblich, Diotima!
und sie mir sagte: Sterblichkeit ist Schein, ist, wie die Farben, die vor unsrem
Auge zittern, wenn es lange in die Sonne sieht!
    Ach! und alle die holdseligen Spiele der Liebe! die Schmeichelreden, die
Besorgnisse, die Empfindlichkeiten, die Strenge und Nachsicht.
    Und die Allwissenheit, womit wir uns durchschauten, und der unendliche
Glaube, womit wir uns verherrlichten!
    Ja! eine Sonne ist der Mensch, allsehend, allverklärend, wenn er liebt, und
liebt er nicht, so ist er eine dunkle Wohnung, wo ein rauchend Lämpchen brennt.
    Ich sollte schweigen, sollte vergessen und schweigen.
    Aber die reizende Flamme versucht mich, bis ich mich ganz in sie stürze,
und, wie die Fliege, vergehe.
    Mitten in all dem seligen unverhaltnen Geben und Nehmen fühlt ich einmal,
dass Diotima stiller wurde und immer stiller.
    Ich fragt und flehte; aber das schien nur mehr sie zu entfernen, endlich
flehte sie, ich möchte nicht mehr fragen, möchte gehen, und wenn ich wiederkäme,
von etwas anderm sprechen. Das gab auch mir ein schmerzliches Verstummen, worein
ich selbst mich nicht zu finden wusste.
    Mir war,
