 nicht, das
ist die wilde Trauer nicht mehr - o mein, mein herrlicher Junge!
    Das alles war mir, wie ein Traum. Konnt ich glauben an dies Wunder der
Liebe? konnt ich? mich hätte die Freude getötet.
    Göttliche! rief ich, sprichst du mit mir? kannst du so dich verleugnen,
selige Selbstgenügsame! kannst du so dich freuen an mir? O ich seh es nun, ich
weiß nun, was ich oft geahnt, der Mensch ist ein Gewand, das oft ein Gott sich
umwirft, ein Kelch, in den der Himmel seinen Nektar gießt, um seinen Kindern vom
Besten zu kosten zu geben. -
    Ja, ja! fiel sie schwärmerisch lächelnd mir ein, dein Namensbruder, der
herrliche Hyperion des Himmels ist in dir.
    Lass mich, rief ich, lass mich dein sein, lass mich mein vergessen, lass alles
Leben in mir und allen Geist nur dir zufliegen; nur dir, in seliger endeloser
Betrachtung! O Diotima! so stand ich sonst auch vor dem dämmernden Götterbilde,
das meine Liebe sich schuf, vor dem Idole meiner einsamen Träume; ich nährt es
traulich; mit meinem Leben belebt ich es, mit den Hoffnungen meines Herzens
erfrischt', erwärmt ich es, aber es gab mir nichts, als was ich gegeben, und
wenn ich verarmt war, ließ es mich arm, und nun! nun hab ich im Arme dich, und
fühle den Otem deiner Brust, und fühle dein Aug in meinem Auge, die schöne
Gegenwart rinnt mir in alle Sinnen herein, und ich halt es aus, ich habe das
Herrlichste so und bebe nicht mehr - ja! ich bin wirklich nicht, der ich sonst
war, Diotima! ich bin deines gleichen geworden, und Göttliches spielt mit
Göttlichem jetzt, wie Kinder unter sich spielen. -
    Aber etwas stiller musst du mir werden, sagte sie.
    Du hast auch recht, du Liebenswürdige! rief ich freudig, sonst erscheinen
mir ja die Grazien nicht; sonst seh ich ja im Meere der Schönheit seine leisen
lieblichen Bewegungen nicht. O ich will es noch lernen, nichts an dir zu
übersehen. Gib mir nur Zeit!
    Schmeichler! rief sie, aber für heute sind wir zu Ende, lieber Schmeichler!
die goldne Abendwolke hat mich gemahnt. O traure nicht! Erhalte dir und mir die
reine Freude! Lass sie nachtönen in dir, bis morgen, und töte sie nicht durch
Missmut! - die Blumen des Herzens wollen freundliche Pflege. Ihre Wurzel ist
überall, aber sie selbst gedeihn in heiterer Witterung nur. Leb wohl, Hyperion!
    Sie machte sich los. Mein ganzes Wesen flammt' in mir auf, wie sie so vor
mir hinwegschwand in
