 wo geheimnisvoll das Gold wächst, dann hob das
schönere Leben meiner Liebe sich an.
    Da übte das Herz sein Recht, zu dichten, aus. Da sagt' es mir, wie Hyperions
Geist im Vorelysium mit seiner holden Diotima gespielt, eh er herabgekommen zur
Erde, in göttlicher Kindheit bei dem Wohlgetöne des Quells, und unter Zweigen,
wie wir die Zweige der Erde sehen, wenn sie verschönert aus dem güldenen Strome
blinken.
    Und, wie die Vergangenheit, öffnete sich die Pforte der Zukunft in mir.
    Da flogen wir, Diotima und ich, da wanderten wir, wie Schwalben, von einem
Frühling der Welt zum andern, durch der Sonne weites Gebiet und drüber hinaus,
zu den andern Inseln des Himmels, an des Sirius goldne Küsten, in die
Geistertale des Arcturs -
    O es ist doch wohl wünschenswert, so aus Einem Kelche mit der Geliebten die
Wonne der Welt zu trinken!
    Berauscht vom seligen Wiegenliede, das ich mir sang, schlief ich ein, mitten
unter den herrlichen Phantomen.
    Wie aber am Strahle des Morgenlichts das Leben der Erde sich wieder
entzündete, sah ich empor und suchte die Träume der Nacht. Sie waren, wie die
schönen Sterne, verschwunden, und nur die Wonne der Wehmut zeugt' in meiner
Seele von ihnen.
    Ich trauerte; aber ich glaube, dass man unter den Seligen auch so trauert.
Sie war die Botin der Freude, diese Trauer, sie war die grauende Dämmerung,
woran die unzähligen Rosen des Morgenrots sprossen. -
    Der glühende Sommertag hatte jetzt alles in die dunkeln Schatten gescheucht.
Auch um Diotimas Haus war alles still und leer, und die neidischen Vorhänge
standen mir an allen Fenstern im Wege.
    Ich lebt in Gedanken an sie. Wo bist du, dacht ich, wo findet mein einsamer
Geist dich, süßes Mädchen? Siehest du vor dich hin und sinnest? Hast du die
Arbeit auf die Seite gelegt und stützest den Arm aufs Knie und auf das Händchen
das Haupt und gibst den lieblichen Gedanken dich hin?
    Dass ja nichts meine Friedliche störe, wenn sie mit süßen Phantasien ihr Herz
erfrischt, dass ja nichts diese Traube betaste und den erquickenden Tau von den
zarten Beeren ihr streife!
    So träumt ich. Aber indes die Gedanken zwischen den Wänden des Hauses nach
ihr spähten, suchten die Füße sie anderswo, und eh ich es gewahr ward, ging ich
unter den Bogengängen des heiligen Walds, hinter Diotimas Garten, wo ich sie zum
ersten Male hatte gesehen. Was war das? Ich war ja indessen so oft mit diesen
Bäumen umgegangen, war vertrauter mit ihnen, ruhiger unter ihnen geworden; jetzt
ergriff mich eine Gewalt, als trät ich in Dianens Schatten, um zu sterben vor
der gegenwärtigen
