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    Ha! fallen sie doch, wie ein Schwertschlag, oft mir auf die Seele, aber ich
spiele mit dem Schwerte, bis ich es gewohnt bin, ich halte die Hand ins Feuer,
bis ich es ertrage, wie Wasser.
    Ich will nicht zagen; ja! ich will stark sein! ich will mir nichts
verhehlen, will von allen Seligkeiten mir die seligste aus dem Grabe beschwören.
    Es ist unglaublich, dass der Mensch sich vor dem Schönsten fürchten soll;
aber es ist so.
    O bin ich doch hundertmal vor diesen Augenblicken, dieser tötenden Wonne
meiner Erinnerungen geflohen und habe mein Auge hinweggewandt, wie ein Kind vor
Blitzen! und dennoch wächst im üppigen Garten der Welt nichts Lieblichers, wie
meine Freuden, dennoch gedeiht im Himmel und auf Erden nichts Edleres, wie meine
Freuden.
    Aber nur dir, mein Bellarmin, nur einer reinen freien Seele, wie die deine
ist, erzähl ichs. So freigebig, wie die Sonne mit ihren Strahlen, will ich nicht
sein; meine Perlen will ich vor die alberne Menge nicht werfen.
    Ich kannte, seit dem letzten Seelengespräche, mit jedem Tage mich weniger.
Ich fühlt, es war ein heilig Geheimnis zwischen mir und Diotima.
    Ich staunte, träumte. Als wär um Mitternacht ein seliger Geist mir
erschienen und hätte mich erkoren, mit ihm umzugehn, so war es mir in der Seele.
    O es ist ein seltsames Gemische von Seligkeit und Schwermut, wenn es so sich
offenbart, dass wir auf immer heraus sind aus dem gewöhnlichen Dasein.
    Es war mir seitdem nimmer gelungen, Diotima allein zu sehen. Immer musst ein
Dritter uns stören, trennen, und die Welt lag zwischen ihr und mir, wie eine
unendliche Leere. Sechs todesbange Tage gingen so vorüber, ohne dass ich etwas
wusste von Diotima. Es war, als lähmten die andern, die um uns waren, mir die
Sinne, als töteten sie mein ganzes äußeres Leben, damit auf keinem Wege die
verschlossene Seele sich hinüber helfen möchte zu ihr.
    Wollt ich mit dem Auge sie suchen, so wurd es Nacht vor mir, wollt ich mich
mit einem Wörtchen an sie wenden, so erstickt' es in der Kehle.
    Ach! mir wollte das heilige namenlose Verlangen oft die Brust zerreißen, und
die mächtige Liebe zürnt' oft, wie ein gefangener Titan, in mir. So tief, so
innigst unversöhnlich hatte mein Geist noch nie sich gegen die Ketten gesträubt,
die das Schicksal ihm schmiedet, gegen das eiserne unerbittliche Gesetz,
geschieden zu sein, nicht Eine Seele zu sein mit seiner liebenswürdigen Hälfte.
    Die sternenhelle Nacht war nun mein Element geworden. Dann, wann es stille
war, wie in den Tiefen der Erde,
