, muss erfahren, dass sie auch da sind, und eh es die Natur aus seinem
Paradiese treibt, so schmeicheln und schleppen die Menschen es heraus, auf das
Feld des Fluchs, dass es, wie sie, im Schweiße des Angesichts sich abarbeite.
    Aber schön ist auch die Zeit des Erwachens, wenn man nur zur Unzeit uns
nicht weckt.
    O es sind heilige Tage, wo unser Herz zum ersten Male die Schwingen übt, wo
wir, voll schnellen feurigen Wachstums, dastehn in der herrlichen Welt, wie die
junge Pflanze, wenn sie der Morgensonne sich aufschliesst, und die kleinen Arme
dem unendlichen Himmel entgegenstreckt.
    Wie es mich umhertrieb an den Bergen und am Meeresufer! ach wie ich oft da
saß mit klopfendem Herzen, auf den Höhen von Tina, und den Falken und Kranichen
nachsah, und den kühnen fröhlichen Schiffen, wenn sie hinunterschwanden am
Horizont! Dort hinunter! dacht ich, dort wanderst du auch einmal hinunter, und
mir war, wie einem Schmachtenden, der ins kühlende Bad sich stürzt und die
schäumenden Wasser über die Stirne sich schüttet.
    Seufzend kehrt ich dann nach meinem Hause wieder um. Wenn nur die
Schülerjahre erst vorüber wären, dacht ich oft.
    Guter Junge! sie sind noch lange nicht vorüber.
    Dass der Mensch in seiner Jugend das Ziel so nahe glaubt! Es ist die schönste
aller Täuschungen, womit die Natur der Schwachheit unsers Wesens aufhilft.
    Und wenn ich oft dalag unter den Blumen und am zärtlichen Frühlingslichte
mich sonnte, und hinaufsah ins heitre Blau, das die warme Erde umfing, wenn ich
unter den Ulmen und Weiden, im Schoße des Berges saß, nach einem erquickenden
Regen, wenn die Zweige noch bebten von den Berührungen des Himmels, und über dem
tröpfelnden Walde sich goldne Wolken bewegten, oder wenn der Abendstern voll
friedlichen Geistes heraufkam mit den alten Jünglingen, den übrigen Helden des
Himmels, und ich so sah, wie das Leben in ihnen in ewiger müheloser Ordnung
durch den Äther sich fortbewegte, und die Ruhe der Welt mich umgab und
erfreute, dass ich aufmerkte und lauschte, ohne zu wissen, wie mir geschah - hast
du mich lieb, guter Vater im Himmel! fragt ich dann leise, und fühlte seine
Antwort so sicher und selig am Herzen.
    O du, zu dem ich rief, als wärst du über den Sternen, den ich Schöpfer des
Himmels nannte und der Erde, freundlich Idol meiner Kindheit, du wirst nicht
zürnen, dass ich deiner vergaß! - Warum ist die Welt nicht dürftig genug, um
außer ihr noch Einen zu suchen?1
    O wenn sie eines Vaters Tochter ist, die herrliche Natur, ist das Herz der
Tochter nicht sein Herz? Ihr Innerstes, ists nicht
