, auch so
selbstgenügsam sind, müsst ja euch hüten, eure Weisheit zum Gesetz zu machen,
denn das wäre der Welt Ende, wenn man euch gehorchte.
    Ich lebte nun sehr still, sehr anspruchslos in Tina. Ich ließ auch wirklich
die Erscheinungen der Welt vorüberziehn, wie Nebel im Herbste, lachte manchmal
auch mit nassen Augen über mein Herz, wenn es hinzuflog, um zu naschen, wie der
Vogel nach der gemalten Traube, und blieb still und freundlich dabei.
    Ich ließ nun jedem gerne seine Meinung, seine Unart. Ich war bekehrt, ich
wollte niemand mehr bekehren, nur war mir traurig, wenn ich sah, dass die
Menschen glaubten, ich lasse darum ihr Possenspiel unangetastet, weil ich es so
hoch und teuer achte, wie sie. Ich mochte nicht gerade ihrer Albernheit mich
unterwerfen, doch sucht ich sie zu schonen, wo ich konnte. Das ist ja ihre
Freude, dacht ich, davon leben sie ja!
    Oft ließ ich sogar mir gefallen, mitzumachen, und wenn ich noch so
seelenlos, so ohne eignen Trieb dabei war, das merkte keiner, da vermisste keiner
nichts, und hätt ich gesagt, sie möchten mirs verzeihen, so wären sie
dagestanden und hätten sich verwundert und gefragt: was hast du denn uns getan?
Die Nachsichtigen!
    Oft, wenn ich des Morgens dastand unter meinem Fenster und der geschäftige
Tag mir entgegenkam, konnt auch ich mich augenblicklich vergessen, konnte mich
umsehn, als möcht ich etwas vornehmen, woran mein Wesen seine Lust noch hätte,
wie ehmals, aber da schalt ich mich, da besann ich mich, wie einer, dem ein Laut
aus seiner Muttersprache entfährt, in einem Lande, wo sie nicht verstanden wird
- wohin, mein Herz? sagt ich verständig zu mir selber und gehorchte mir.
    Was ists denn, dass der Mensch so viel will? fragt ich oft; was soll denn die
Unendlichkeit in seiner Brust? Unendlichkeit? wo ist sie denn? wer hat sie denn
vernommen? Mehr will er, als er kann! das möchte wahr sein! O! das hast du oft
genug erfahren. Das ist auch nötig, wie es ist. Das gibt das süße,
schwärmerische Gefühl der Kraft, dass sie nicht ausströmt, wie sie will, das eben
macht die schönen Träume von Unsterblichkeit und all die holden und die
kolossalischen Phantome, die den Menschen tausendfach entzücken, das schafft dem
Menschen sein Elysium und seine Götter, dass seines Lebens Linie nicht gerad
ausgeht, dass er nicht hinfährt, wie ein Pfeil, und eine fremde Macht dem
Fliehenden in den Weg sich wirft.
    Des Herzens Woge schäumte nicht so schön empor, und würde Geist, wenn nicht
der alte stumme Fels
