 Rede war und von Jugend des
Herzens. Die Wölfe gehen davon, wenn einer Feuer schlägt. Sahn jene Menschen
einen Funken Vernunft, so kehrten sie, wie Diebe, den Rücken.
    Sprach ich einmal auch vom alten Griechenland ein warmes Wort, so gähnten
sie, und meinten, man hätte doch auch zu leben in der jetzigen Zeit; und es wäre
der gute Geschmack noch immer nicht verloren gegangen, fiel ein anderer
bedeutend ein.
    Dies zeigte sich dann auch. Der eine witzelte, wie ein Bootsknecht, der
andere blies die Backen auf und predigte Sentenzen.
    Es gebärdet' auch wohl einer sich aufgeklärt, machte dem Himmel ein
Schnippchen und rief, um die Vögel auf dem Dache hab er nie sich bekümmert, die
Vögel in der Hand, die seien ihm lieber! Doch wenn man ihm vom Tode sprach, so
legt' er stracks die Hände zusammen, und kam so nach und nach im Gespräche
darauf, wie es gefährlich sei, dass unsere Priester nichts mehr gelten.
    Die Einzigen, deren zuweilen ich mich bediente, waren die Erzähler, die
lebendigen Namenregister von fremden Städten und Ländern, die redenden
Bilderkasten, wo man Potentaten auf Rossen und Kirchtürme und Märkte sehen kann.
    Ich war es endlich müde, mich wegzuwerfen, Trauben zu suchen in der Wüste
und Blumen über dem Eisfeld.
    Ich lebte nun entschiedner allein, und der sanfte Geist meiner Jugend war
fast ganz aus meiner Seele verschwunden. Die Unheilbarkeit des Jahrhunderts war
mir aus so manchem, was ich erzähle und nicht erzähle, sichtbar geworden, und
der schöne Trost, in Einer Seele meine Welt zu finden, mein Geschlecht in einem
freundlichen Bilde zu umarmen, auch der gebrach mir.
    Lieber! was wäre das Leben ohne Hoffnung? Ein Funke, der aus der Kohle
springt und verlischt, und wie man bei trüber Jahreszeit einen Windstoß hört, der
einen Augenblick saust und dann verhallt, so wär es mit uns?
    Auch die Schwalbe sucht ein freundlicher Land im Winter, es läuft das Wild
umher in der Hitze des Tags und seine Augen suchen den Quell. Wer sagt dem
Kinde, dass die Mutter ihre Brust ihm nicht versage? Und siehe! es sucht sie
doch.
    Es lebte nichts, wenn es nicht hoffte. Mein Herz verschloss jetzt seine
Schätze, aber nur, um sie für eine bessere Zeit zu sparen, für das Einzige,
Heilige, Treue, das gewiss, in irgend einer Periode des Daseins, meiner
dürstenden Seele begegnen sollte.
    Wie selig hing ich oft an ihm, wenn es, in Stunden des Ahnens, leise, wie
das Mondlicht, um die besänftigte Stirne mir spielte? Schon damals kannt ich
dich, schon damals blicktest du, wie ein Genius,
