, und fromm und groß sind alle Herzen
und Helden gebiert die Begeisterung. Die Heimat aller Menschen ist bei solchem
Volk und gerne mag der Fremde sich verweilen. Wo aber so beleidigt wird die
göttliche Natur und ihre Künstler, ach! da ist des Lebens beste Lust hinweg, und
jeder andre Stern ist besser, denn die Erde. Wüster immer, öder werden da die
Menschen, die doch alle schöngeboren sind; der Knechtsinn wächst, mit ihm der
grobe Mut, der Rausch wächst mit den Sorgen, und mit der Üppigkeit der Hunger
und die Nahrungsangst; zum Fluche wird der Segen jedes Jahrs und alle Götter
fliehn.
    Und wehe dem Fremdling, der aus Liebe wandert, und zu solchem Volke kommt,
und dreifach wehe dem, der, so wie ich, von großem Schmerz getrieben, ein
Bettler meiner Art, zu solchem Volke kommt! -
    Genug! du kennst mich, wirst es gut aufnehmen, Bellarmin! Ich sprach in
deinem Namen auch, ich sprach für alle, die in diesem Lande sind und leiden, wie
ich dort gelitten.
                             Hyperion an Bellarmin
Ich wollte nun aus Deutschland wieder fort. Ich suchte unter diesem Volke nichts
mehr, ich war genug gekränkt, von unerbittlichen Beleidigungen, wollte nicht,
dass meine Seele vollends unter solchen Menschen sich verblute.
    Aber der himmlische Frühling hielt mich auf; er war die einzige Freude, die
mir übrig war, er war ja meine letzte Liebe, wie konnt ich noch an andre Dinge
denken und das Land verlassen, wo auch er war?
    Bellarmin! Ich hatt es nie so ganz erfahren, jenes alte feste
Schicksalswort, dass eine neue Seligkeit dem Herzen aufgeht, wenn es aushält und
die Mitternacht des Grams durchduldet, und dass, wie Nachtigallgesang im Dunkeln,
göttlich erst in tiefem Leid das Lebenslied der Welt uns tönt. Denn, wie mit
Genien, lebt ich jetzt mit den blühenden Bäumen, und die klaren Bäche, die
darunter flossen, säuselten, wie Götterstimmen, mir den Kummer aus dem Busen.
Und so geschah mir überall, du Lieber! - wenn ich im Grase ruht, und zartes
Leben mich umgrünte, wenn ich hinauf, wo wild die Rose um den Steinpfad wuchs,
den warmen Hügel ging, auch wenn ich des Stroms Gestade, die luftigen umschifft'
und alle die Inseln, die er zärtlich hegt.
    Und wenn ich oft des Morgens, wie die Kranken zum Heilquell, auf den Gipfel
des Gebirgs stieg, durch die schlafenden Blumen, aber vom süßen Schlummer
gesättiget, neben mir die lieben Vögel aus dem Busche flogen, im Zwielicht
taumelnd und begierig nach dem Tag, und die regere Luft nun schon die Gebete der
Täler, die Stimmen der Herde und die Töne
