, als ein Boot einlief, wo ich
meinen Diener gleich erkannte, der mir einen Brief von Diotima überbrachte.
    So bist du noch auf Erden? schrieb sie, und siehst das Tageslicht noch? Ich
dachte dich anderswo zu finden, mein Lieber! Ich habe früher, als du nachher
wünschtest, den Brief erhalten, den du vor der Schlacht bei Tschesme schriebst
und so lebt ich eine Woche lang in der Meinung, du habst dem Tod dich in die
Arme geworfen, ehe dein Diener ankam mit der frohen Botschaft, dass du noch
lebest. Ich hatt auch ohnedies noch einige Tage nach der Schlacht gehört, das
Schiff, worauf ich dich wusste, sei mit aller Mannschaft in die Luft geflogen.
    Aber o süße Stimme! noch hört ich dich wieder, noch einmal rührte, wie
Mailuft, mich die Sprache des Lieben, und deine schöne Hoffnungsfreude, das
holde Phantom unsers künftigen Glücks, hat einen Augenblick auch mich getäuscht.
    Lieber Träumer, warum muss ich dich wecken? warum kann ich nicht sagen, komm,
und mache wahr die schönen Tage, die du mir verheißen! Aber es ist zu spät,
Hyperion, es ist zu spät. Dein Mädchen ist verwelkt, seitdem du fort bist, ein
Feuer in mir hat mählich mich verzehrt, und nur ein kleiner Rest ist übrig.
Entsetze dich nicht! Es läutert sich alles Natürliche, und überall windet die
Blüte des Lebens freier und freier vom gröbern Stoffe sich los.
    Liebster Hyperion! du dachtest wohl nicht, mein Schwanenlied in diesem Jahre
zu hören.
                                  Fortsetzung
Bald, da du fort warst, und noch in den Tagen des Abschieds fing es an. Eine
Kraft im Geiste, vor der ich erschrak, ein innres Leben, vor dem das Leben der
Erd erblasst' und schwand, wie Nachtlampen im Morgenrot - - soll ichs sagen? ich
hätte mögen nach Delphi gehen und dem Gott der Begeisterung einen Tempel bauen
unter den Felsen des alten Parnass, und, eine neue Pytia, die schlaffen Völker
mit Göttersprüchen entzünden, und meine Seele weiß, den Gottverlassnen allen
hätte der jungfräuliche Mund die Augen geöffnet und die dumpfen Stirnen
entfaltet, so mächtig war der Geist des Lebens in mir! Doch müder und müder
wurden die sterblichen Glieder und die ängstigende Schwere zog mich unerbittlich
hinab. Ach! oft in meiner stillen Laube hab ich um der Jugend Rosen geweint! sie
welkten und welkten, und nur von Tränen färbte deines Mädchens Wange sich rot.
Es waren die vorigen Bäume noch, es war die vorige Laube - da stand einst deine
Diotima, dein Kind, Hyperion, vor deinen glücklichen Augen, eine Blume unter den
Blumen und die Kräfte der Erde und des Himmels trafen sich friedlich zusammen in
