 Gehirn und Herz und alles Innere,
wie Formen der Gipsstatuen ihr eingefülltes Gemengsel von Scherwolle, Heu und
Ton, nur darum tragen, um hohl gegossen auszufallen. - Ich wollte sogar mit
ehrlichen Geschäftleuten keifen, die, wie der große Antonin, den Göttern danken,
dass sie die Dichtkunst nicht weit getrieben - und mit solchen, vor denen sich
der Kapellmeister Apollo auf einer Strohfiedel hören lassen soll, und seine neun
Diskantistinnen mit dem Bier- und Strohbass - ja sogar mit der lesenden
Schwesterschaft der Ritterromane, die so lieset, wie sie heiratet, und die sich
unter den Büchern, wie unter den Gesichtern der Herren, nicht die schönen
weiblichen, sondern die wilden männlichen ausklaubt. - -
    Aber ein Autor sollte kein Kind sein und sich seine Vorrede versalzen, da er
nicht alle Tage eine zu machen hat. Warum habe ich nicht lieber in der ersten
Zeile die Leser angeredet und bei der Hand genommen, denen ich den Hesperus
freudig gehe, und die ich mit einem Freiexemplar davon beschenken wollte, wenn
ich wüsste, wo sie wohnten? - Komm, liebe müde Seele, die du etwas zu vergessen
hast, entweder einen trüben Tag oder ein überwölktes Jahr, oder einen Menschen,
der dich kränkt, oder einen, der dich liebt, oder eine entlaubte Jugend, oder
ein ganzes schweres Leben; und du, gedrückter Geist, für den die Gegenwart eine
Wunde und die Vergangenheit eine Narbe ist, komm in meinen Abendstern und
erquicke dich mit seinem kleinen Schimmer, aber schließe, wenn dir die poetische
Täuschung flüchtige süße Schmerzen gibt, daraus: »Vielleicht ist das auch eine,
was mir die längeren tieferen macht.« - Und dich, höherer Mensch, der unser Leben,
das nur in einem Spiegel geführet wird, kleiner findet als sich und den Tod, und
dessen Herz ein verhüllter großer Geist in dem Totenstaube anderer zerfallener
Menschenherzen heller und reiner schleift, wie man den Demant im Staube des
Demants poliert, darf ich dich auch in meinen Abend- und Nachtstern auf eine
Anhöhe, so wie ich sie aufzuwerfen vermag, herniederrufen, damit du, wenn du um
sie, wie um den Vesuv, morganische Feen und Nebel-Gruppierungen und Traum-Welten
und Schatten-Länder in der Tiefe ziehen siehst, vielleicht zu dir sagest: »Und
so ist alles Traum und Schatten um mich her, aber Träume setzen Geister voraus,
und Nebel Länder, und der Erdschatten eine Sonne und eine Welt«? -
    Aber zu dir habe ich nicht den Mut, zu dir, edler Geist, der des
Jahrhunderts müde ist und des Nachwinters der Menschheit, dem zuweilen, aber
nicht immer, das Menschengeschlecht wie der Mond zurückzuwandeln scheint, weil
er den Zug
