 seiner pulsierenden Zweige rauschend
ins Tal hinab - drüben lag in Ästen wie ein Nachtigallennest Emanuels stille
Hütte, in der jetzo mein Viktor war - näher an uns brauste die Kastanienallee,
und oben draußen ruhte der abgemähte Kirchhof. - Mir, der ich alles dieses
bisher nur im Traum der Phantasie gesehen, war jetzo wieder, als zögen Träume
heran; und der undurchsichtige Boden wurde ein durchsichtiger voll Duft-Gebilde
- und ich sank voll Wehmut auf den Berg.... Ich ging endlich hinab wie in ein
gelobtes Land, aber meine ganze Seele wickelte ein weicher Leichenschleier ein.
    - Und mein Viktor riss den Schleier weg und drückte seine warme Seele an
meine, und wir schmolzen ein zu einem glühenden Punkt. - Aber ich will ihm
nachher, wenn er wiederkommt aus der Abtei, noch einmal und noch wärmer an die
Brust fallen und ihm dann erst meine Liebe recht sagen.... O Viktor, wie bist du
so milde und so harmonisch, so veredelt und so erweicht, wie schön in der
Freudenträne, wie groß in der Begeisterung! - Ach Menschenliebe, die du dem
innern Menschen das griechische Profil und seinen Bewegungen Schönheitlinien und
seinen Reizen Brautschmuck gibst, verdopple deine Wunder- und Heilkräfte in
meiner hektischen Brust, wenn ich Toren sehe, oder Sünder, oder unähnliche
Menschen, oder Feinde, oder Fremde!
    Viktor, der nie die Angst eines Menschen noch größer machte, gab uns einige
Beruhigung über den Lord. Er ging zu Klotilden ins Stift, um uns bei ihr und der
Äbtissin anzumelden - der späte Besuch wird durch die Notwendigkeit der
nächtlichen Zurückkehr entschuldigt. Bis er wiederkömmt, halt' ich mit meiner
Geschichte still. Ich sah ihm nach auf seinem Wege zur Braut, und seine Hand,
sein Auge und sein Mund waren voll Grüße für jeden, besonders für verschmähte
Menschen, für Greise, für alte Witwen. Die Freude meines Helden wird die
meinige; die Zeit arbeitet an dem schönen Tage, wo sein Herz auf immer mit dem
verlobten verschmilzt, wo er, ohne ein Gelenke der entzweigeschnittenen Floh-
und Affenkette des Hofes, frei durch die Natur geht, nichts ist als ein Mensch,
nichts macht als Kuren statt der Kour, nichts liebt als die ganze Welt und zu
glücklich ist, um beneidet zu werden. Dann will ich einmal, mein Bastian, abends
im Mondschein unter Linden-Dampf und Linden-Gesumse bei dir essen und mich auf
den Ballen gerade ausgepackter abgedruckter Hundposttage setzen. Übrigens bin
ich - ob ich mir gleich mein eigenes Ich sitzen ließ, um seines abzufärben - nur
ein elender zerflossener ausgewischter Schieferabdruck von ihm, nur eine sehr
freie paraphrasierte Verdolmetschung von dieser Seele; und ich finde, dass ein
