 auf ein so zerstreutes Herz wie meines machen konnte. Das
tätige Gewühl der Freiheit und der Schimmer des Luxus und des Handels beklemmen
eine kummerhafte Seele bloß und machen nicht froher, wenn man es nicht vorher
ist. Sei glücklich, geliebte Vaterstadt, sagte mein Herz, sei es lange und sehr,
wie ichs in dir gewesen bin in meiner Jugend! - Aber dann eil' ich lieber mit
meiner Mutter auf ihr Landhaus zu, wo einmal drei gute Kinder117 so fröhlich
grünten, und da werd' ich unaussprechlich erweicht, und dann bild' ich mir ein,
ich sei hier glücklicher als unter den Glücklichen. Ich bilde mir es wohl nur
ein; denn wenn ich da das gesammelte Spielzeug dieser guten Kinder, ihre
Exerzitienbücher und ihre engen Kleider anschaue; wenn ich mich unter drei
aneinandergesäete Kirschbäume setze, die sie scherzend in dem zu engen
Kindergarten eingelegt hatten; und wenn ich dann denke, auf dieser Bühne zogen
sie ihre Herzen für ein glücklicheres Leben groß, als sie gewonnen, für eine
höhere Tugend, als die Verhältnisse zugelassen, und für bessere Menschen, als
sie gefunden haben: dann werd' ich sehr betrübt, und dann ist mir, als müsst' ich
weinen und dürft' ich sagen: auch ich bin in England geboren und wurde in
Maiental von Emanuel erzogen.
    Ach ich kann mein Herz nicht verbergen, wenn ich den Namen dieser großen
Seele schreibe. - Er war hier oft auf einem Berge, wo eine auseinandergefallene
Kirche liegt, und wo er auf eine noch nicht umgeworfene Säule stieg, um sein
Auge zu den Sternen zu erheben, über denen er nun wohnt. - Ich wollte Ihnen
jetzo das schreiben, was mir meine Mutter von seinem Abschied erzählte; aber es
tut mir zu wehe, und ich werd' es Ihnen mündlich sagen. Ich besuche diesen Berg
sehr oft, weil man die ganze Ebene nach Osten hinuntersehen kann: hier hängt
noch der alte Baum mit seinen Wurzeln und Zweigen in den Steinbruch hinunter,
der voll zerstückter Tempelsäulen liegt; Emanuel nahm oft abends das Kind dahin,
das er am meisten liebte118 und das, wenn er auf der Säule betete, mit dem einen
Arm um den Baum geschlungen, sehnsüchtig und singend über die weite Gegend
hinüberblickte und sich hinauslehnte und, ohne es zu wissen, in süßer
Beklommenheit über die eignen Töne und die entlegnen Gefilde weinte und über das
blasse Morgenrot, das von der Abendröte zurückglimmte. Einmal, da der Lehrer das
Kind fragte: Warum bist du so still und singest nicht mehr? - gab es zur
Antwort: Ach, ich sehne mich in die Morgenröte, ich möchte darin liegen und
dadurch gehen und in die hellen Länder dahinter hineinschauen. - Ich setze mich
oft
