 überhüllten, und aus dem Gewölke
blitzten reissende Lichtflüsse, die sich alle ineinander verschlangen...
    Und in diesem Farben-Getümmel ging eine süße Stimme umher und sagte überall:
Vergehet süßer am Lichte.
    Aber die Seelen erblindeten nur und vergingen noch nicht.
    Da überfielen Abendwinde und Morgenwinde und Mittagwinde miteinander die Aue
und wehten die hell-blauen und goldgrünen Wolken nieder, die aus Blumenduft
entstanden waren, und falteten den Blumenring am Horizonte auf und trieben den
süßen Rauch an die Herzen der Seligen. Der Blütennebel schlang sie in sich ein,
das Herz wurde in die dunkeln Düfte wie in ein Gefühl aus der tiefsten Kindheit
eingetaucht und wollte, vom heißen Blumendunste überflossen, darin
auseinandertropfen. - Jetzt kam die unbekannte Stimme näher und lispelte sanft:
Vergehet süßer am Duft.
    Aber die Seelen taumelten nur und vergingen noch nicht.
    Tief in der Ewigkeit aus der Mitternacht bog sich auf und nieder ein
einziger Ton - ein zweiter stand in Morgen auf - ein dritter in Abend - endlich
tönte aus der Ferne der ganze Himmel, und die Töne überströmten die Insel und
ergriffen die erweichten Seelen... Als die Töne auf der Insel waren, weinten
alle Menschen vor Wonne und Sehnsucht... Dann liefen plötzlich die Sonnen noch
schneller, dann stiegen die Töne noch höher und verloren sich wirbelnd in eine
schneidende, unendliche Höhe ach dann gingen alle Wunden der Menschen wieder auf
und wärmten sanft mit dem rinnenden Blute jede Brust, die in ihrer Wehmut
erstarb - ach dann kam ja alles fliehend vor uns, was wir hier geliebt haben,
alles, was wir hier verloren haben, jede teure Stunde, jedes beweinte Gefild',
jeder geliebte Mensch, jede Träne und jeder Wunsch. - - Und als die höchsten
Töne verstummten und wieder einschnitten und länger verstummten und tiefer
einschnitten: so zitterten Harmonikaglocken unter den Menschen, die auf ihnen
standen, damit das einschneidende Schwirren jeden Bebenden zerlegte. - Und eine
hohe Gestalt, um die ein dunkles Wölkchen zog, trat auf in einem weißen Schleier
und sagte melodisch: Vergehet süßer an Tönen.
    Ach! sie wären vergangen und gern vergangen an der Wehmut der Melodie, wenn
jedes Herz das Herz, nach dem es schmachtete, an seiner Brust gehalten hätte;
aber jeder weinte noch einsam ohne seinen Geliebten fort.
    Endlich schlug die Gestalt den weißen Schleier auf, und der Engel des Endes
stand vor den Menschen. Das Wölkchen, das um ihn ging, war die Zeit - sobald er
das Wölkchen ergriffe, so würde ers zerdrücken, und die Zeit und die Menschen
wären vernichtet.
    Als der Engel des Endes sich entschleiert hatte: lächelte er die Menschen
unbeschreiblich lieblich an, um ihr Herz durch Wonne und durch das Lächeln zu
zertreiben
