 einmal kalt, der warm ist, nämlich verliebt, und den noch nicht der
Tod kalt gemacht, er verbleib' es, sag' ich, vor dem stechenden Lächeln einer
Hof-Schwesterschaft über seine empfindsame Liebe, zumal vor solchen höheren
Damen, die Gotteiten sind, auf deren cyprischem Altar allemal (wie bei den
Skyten) der Fremde geopfert wird, und denen (wie die Gallier von ihren Göttern
glaubten) Übeltäter, Roués, Orleans die liebsten Opfer sind! - Oder er höre
sich, wenn er auch das hinnimmt, gelassen von einem Evangelisten über seine
Liebe persiflieren, der darin folgende Grundsätze erfindet und einkleidet: La
décence ajoute aux plaisirs de l'indécence: la vertu est le sel de l'amour; mais
n'en prénez pas trop. - J'aime dans les femmes les accès de colère, de douleur,
de joie, de peur: il y a toujours dans leur sang bouillant quelque chose qui est
favorable aux hommes. - C'est là oú la finesse demeure courte, qu'il faut de
l'entousiasme. - Les femmes s'étonnent rarement d'être crues faibles; c'est du
contraire qu'elles s'étonnent un peu. - L'amour pardonne toujours à l'amour,
rarement à la raison. - Glücklich sind« (seufzet Knef) »Widersacher, die
einander prügeln dürfen.«
    Der Evangelist warf einen beizenden Tropfen auf Viktors Herznerven, da er,
trotz seiner Wissenschaft um Flamins adelige Abstammung, ihn damit aufzog, »dass
er wie ein neufranzösischer Äquilibrist der Freiheit sich mit Bürgerlichen -
zwar nicht vermähle, aber doch - schieße«. Und es ging ihm durch die Seele,
seinen ausgestohlnen Freund so sehr an Freunden verarmt zu sehen, dass dieser
Matthieu der letzte und der Stammhalter war, der sich nicht einmal vor Viktor
die Mühe gab, in den höheren Zirkeln die Rolle eines Freundes von Flamin zu
nehmen und fortzuspielen. Einem guten Menschen wird das weiche Herz gleichsam in
eine Quetschform eingeschraubt, wenn er vor Leuten stehen muss (wie hier Viktor
vor so vielen), die ihn hassen und beleidigen - anfangs ist er heiter und kalt
und freut sich, dass er sich nichts darum schiert - aber er rüstet sich
unwissend mit immer mehr Verachtung, um der Beleidigung etwas entgegenzustellen
- endlich meldet sich der Anwachs der Verachtung durch das unbehagliche Gefühl
der entfliehenden Liebe und des eindringenden Hasses an, und das bittere
Scheidewasser ergreift und zerfrisst sein eigenes Gefäß, das Herz. - Dann werden
die Schmerzen so groß, dass er die alte Menschenliebe, die das warme Element
seiner Seele war, wieder in Strömen in den Busen rinnen lässt. Bei Viktor kam
noch
