 in Gesänge verhüllet, aus diesen Lippen, die wie
zwei Seelen einander überschweben, aber nicht berühren, wie Bienen aus Rosen
ziehen - wenn sich das Auge zwischen Glanz und Tränen bewegt - wenn dann endlich
die Göttin der himmlischen Liebe zu ihrer Tochter tritt und elektrisch ihr
stilles Herz berührt und sagt: liebe auch! und wenn nun alle Reize erbeben und
aufblühen, zögern und schmachten, hoffen und zagen, und sich das träumende Herz
tiefer in seine Blüten verschliesset und zitternd sich hinter eine Träne vor dem
Glücklichen versteckt, der es errät und verdient.... dann verstummt die
Glückliche, der Glückliche und der Maler.« - -
    Viktor sah den Glücklichen neben sich, der sein Freund war, mit feuchten
Augen an und sagte: »Das warst du wert!« - Aber nun stachen ihn zwanzig
Spornräder, Agaten nachzufolgen ins Schloss, die Federzeichnung des Malers - die
Kleiderordnung die Verwandtschaft - die Begierde, die jeder Mensch hat, die
Huldin und Infantin seines Freundes zu sehen - die Begierde, die nicht jeder
hat, aber er, jemand zum ersten Male (lieber als zum achten Male) zu sprechen -
am meisten der gestrige Abend. Flamins Feuer hatte Viktors Brust gestern ganz
voll Zunder gebrannt, durch welchen lauter Funken lieben - er hätt' ihm alles
gleichgültig vorstellen sollen, weil der Kampf gegen die Liebe sich vom Kampfe
für sie in nichts unterscheidet als in der Rangordnung. Aber der Leser glaube ja
nicht, jetzo werde (wie in einem entmannten und entmannenden Roman) in der
Biographie der Teufel losgehen und der Held ins Schloss marschieren und da vor
Klotilden hinfallen und kniefällig flehen: »Sei die Heldin!« und sich mit ihr
herumzanken aus Liebe und mit dem vorigen Pastor fido aus Hass und werde wirklich
nichts anders machen als den ästhetischen selbstsüchtigen empfindsamen - Schuft.
Wenn ich letztes wünschte, so könnt' ich mich nur damit entschuldigen, dass ich
dann etwan zu einigen biographischen Mordtaten und Duellen käme; ich hoffe aber,
ich werde schon ohne Nachteil der Moral und ehrlich es zu einem und dem andern
Mord- und Totschlag in diesen Blättern treiben - wenigstens im letzten Bande, wo
jeder ästhetische Schnitter seine Leute ausholzet und die Hälfte in die
Oubliette oder Familiengruft des Dintenfasses wirft.
    Viktor hatte zu viel Jahre und Bekanntschaften, um so ohne Respekt-Tage und
Doppel-Uso - auf dem Platze - noch vor dem Abendessen - cito citissime - was
hast du, was kannst du - verliebt zu werden. Sein Sehnerve zerfaserte sich
täglich in feinere zärtere Spitzen und berührte alle Punkte einer neuen Gestalt,
aber die wunden Fühlfäden krümmten sich leichter zurück; in jedem Monate machte
ein ungesehenes Gesicht, wie neue Musik, einen stärkeren und kürzern Eindruck
