 Primadonna die Dienste eines Dämpfers und
Lautenzugs - leise wurd' er von den Krümmungen, die die allmähliche Verdunkelung
und Verengerung der Allee verbargen, fortgezogen zwischen den nachfliegenden
Tönen der Nachtigall, zwischen den dünner durch die Blätter tropfenden
Abendstrahlen, zwischen den zwei Bächen, die jetzt innerhalb der Kastaniengasse
dahinschlüpften. - Die Bäche gingen enger aneinander und ließ nur für die
Liebe Raum. - Der Portikus senkte sich tiefer herein. - Die zerstreuten Blumen
der zwei Ufer drängten sich zusammen und gingen in Gesträuche über. - Die
Gesträuche verwuchsen zur Gartenwand und berührten sich anfangs in lose und
durchsichtig zuhängenden Gipfeln und endlich in finster zusammengestrickten. -
Und die Allee und der unter ihr aufgewachsene Laubengang grünten ineinander
hinein, um mit ihren zusammenfallenden Blütenhüllen nur eine einzige Nacht zu
machen. - Dann versperrte in der grünen Dämmerung ein Jelängerjeliebergespinst
und Blütengeniste die Laube, aber fünf aufsteigende Stufen lockten zum Zerreissen
des blühenden Vorhangs an. Und wenn man ihn zerteilte: sank man in ein
Blütengeklüft, in eine enge durchwachsene Gruft, gleichsam in einen vergrösserten
Blumenkelch. In dieser delphischen Höhle der Träume war der Polster aus hohem
Grase gemacht und die Arme des Sitzes aus Blütenzweigen und die Rückenlehne aus
gedrängten Blumen und die Luft aus dem Hauche von stäubendem Zwergobst. Dieses
Blumen-Allerheiligste wurde nur von Bienen und Träumen bewohnt, nur von weißen
Blüten erhellt, es hatte statt des Abendrots nur den Purpur der Nachtviole,
statt des Himmelblaues nur den Azur der Holunderblüte, und der Selige darin
wurde nur von Bienenflügeln und von den um ihn versammelten fünf Mündungen der
Bäche in den Schlummer eingesungen, in welchem die ferne Nachtigall die
Harmonika-und Abendglocken des Traumes anschlug....
    - Und da heute Viktor neben dem Blinden die fünf Stufen betrat und die aus
Blüten gewobene Tapetentür des Himmels auseinandertat: siehe! da - o der Selige
diesseits des Todes! - ruht darin eine Heilige mit weinenden Augen, in
Philomelens verklungne Klagen untergesunken... Du, Klotilde, warst es und
dachtest an ihn mit weicherer Seele und mit größerer Liebe - und er an dich mit
der erwiderten! O wenn zwei liebende Menschen einander in der nämlichen Rührung
begegnen: dann erst achten sie das menschliche Herz und seine Liebe und sein
Glück! - Decke, Klotilde, mit keiner Blüte die Tränen zu, unter denen deine
Wangen erröten, weil sie nur vor der Einsamkeit niederfallen sollten! Zittere,
aber nur vor Freude, wie die Sonne zittert, wenn sie aus einer Wolke am Horizont
herausrückt! Schlage dein von Blumen verhangnes Auge noch nicht nieder, das zum
erstenmal so ruhig geöffnet und mit einem solchen Strom der Liebe an den
Menschen sinkt, der dein schönes Herz verdient, und der alle deine Tugenden mit
seinen belohnt! ..
