 noch mit seiner Beschreibung von der Geschichte ab. 1793. J. P.
 
                               Erster Pfingsttag
                               (33. Hundposttag)
        Polizeiordnung der Freude - Kirche - der Abend - die Blütenhöhle
Viktor war am Pfingstmorgen kaum aus seinem Schlafe, obwohl nicht aus seinen
Träumen erwacht: so sagte ihm das Leisereden aller seiner Gedanken, die
elysische Stille durch sein ganzes Herz, dass heute seine Sabbatwochen angehen.
Ohne Vorwürfe und Vorsätze eines Fehltritts, ohne einen Seufzer seines Gewissens
ging er unschuldig der Freude und der Liebe entgegen. Je zärter und weicher eine
Blume der Freude ist, desto reiner muss die Hand sein, die sie abbricht, und nur
tierische Weide verträgt den Schmutz; so wie diejenigen, die den Kaisertee
abpflücken, sich vorher alle grobe Kost versagen, um das gewürzhafte Laub
unbesudelt abzunehmen. - Viktor hatte draußen kaum Morgenröte genug, um auf
seiner breiten Stundenuhr vom Zeidler Lind die erste Stunde seines Sabbats zu
sehen; aber diese Uhr, der Schrittzähler auf dem so schönen Lebenswege des
Bienenvaters, und der Frühgottesdienst der Natur, der in Stille besteht, machten
seinen Vorsatz fester, sein jetziges Leben dem zweiten nach dem Tode als einen
stillen, kühlen, gestirnten Frühlingmorgen vorauszuschicken.
    »Bei euch schwör' ich« - sagt' er, als nach und nach immer mehr Lerchen aus
ihrem Tau mit Singen in die Morgen-Hora stiegen - »ich will, sogar in der
Freude, gelassen bleiben ganze dreißig Jahre lang in einem fort, wenigstens drei
ganze Pfingsttage - ich will ein Universität- und Hausfreund, aber nicht ein
Werterscher Liebhaber der Freude sein - Handelt nicht der Mensch, als müsste
sein Lebensteig eine Brücke zusammengeschobener Honigwaben sein, durch die er
mottenartig sich durchzukäuen habe, als wären seine Hände nur zwei Zuckerzangen
der Lust? - Ich will wieder meinen Freuden und meinen Schmerzen den Scherz als
einen Zaum anlegen. Die warmen Tränen der Melancholie, besonders die der
Entzückung, eine Art heißer Dämpfe, die stärker treiben und zersetzen als
Schiesspulver und papinische Maschinen, will ich wohl noch vergießen, aber vorher
ein wenig kühlen. - Und wenn ich Klotilde nicht jeden Vormittag ansichtig werde:
so will ich bloß sagen: ein Mensch kann nicht immer im dritten Himmel sein, er
muss auch zuweilen im ersten übernachten.« - - Er hat vielleicht mehr Recht als
Kraft; aber es ist wahr, die Gesundheit des Herzens entfernet sich gleich weit
von hysterischen Zuckungen und von phlegmatischer Erstarrung, und die Entzückung
grenzet näher an den Schmerz als die Ruhe. Aber keine Ruhe und Kälte ist etwas
wert als die erworbene - der Mensch muss der Leidenschaften zugleich fähig und
mächtig sein. Die Überströmungen des Willens gleichen denen der Flüsse, die alle
Brunnen eine Zeitlang verunreinigen; nehmt ihr aber die
