 Licht
und Schnee gegossen und statt Blüten Purpurblumen treibend - Und wir sahen
unsere drei Schatten erhaben an dem lichtweissen Hain, hinübergeworfen, liegen,
und auf Klotildens Schatten hingen die Purpurblumen wie Kränze nieder; ein Engel
umflog den holden Schatten und lächelte ihn zärtlich an und berührte an ihm die
Stelle des Herzens - Da erbebtest du plötzlich, Klotilde, und wandtest dich um
gegen uns, schöner als der Engel in der Ewigkeit, dein ganzer Boden glimmte
unter den gefallnen Tränen und wurde durchsichtig - Und als deine
niedersinkenden Perlen jetzt den Boden in eine aufdringende Wolke auflöseten:
reichtest du uns eilig die Hand und sagtest: Die Wolke hebt, wir sehen uns
wieder. - Ach mein zerflossenes Herz fasste sein Blut nicht mehr, ich kniete
nieder, aber ich konnte nichts sagen, ich wollte meine Seele in einen einzigen
Laut zerschmelzen, aber die gebundne Zunge vermochte keinen, und ich starrte die
aufsteigende Unsterbliche an mit unendlicher und trostloser Liebe - Ach, dacht'
ich, das Leben ist ein Traum; aber ich könnte ihrs vielleicht sagen, wie ich sie
liebe, wär' ich nur erwacht.
    Dann erwacht' ich - O Klotilde, kann es der Mensch sagen, wie sehr er liebt?
                                                                             H.«
                                       *
Sein Charakter und der Inhalt dieses Traums schließen den Argwohn der Erdichtung
aus. - Übrigens wenn ihm auch Klotilde den eingehüllten Wunsch, sie in Maiental
zu sehen, versagt: so muss sie es doch auf einem Blättchen und mit drei Zeilen
tun, die er dann tausendmal lesen kann und die das Bilder- und Siegelkabinett,
worin schon Hut und Prospekte liegen, um ein Ansehnliches bereichern. Inzwischen
stand er in seinem schönen Alpental zwischen zwei hohen Bergen, auf deren jedem
sich der Stoff zu einer Schneelauwine regte - vielleicht ist schon oben eine im
erquetschenden Gange, und er kann sie noch nicht sehen. - Die erste Lauwine, die
sein geringster Laut über ihn herunterwerfen kann, ist sein tolles Verhältnis
mit seiner höfischen Bekanntschaft. Er kann sich rühmen, sie sämtlich
aufgebracht zu haben: die Fürstin, Joachimen, Matthieu. Aber auch ohne das muss
schon irgendein Konduktor - bloß weil er nicht auf dem gemeinschaftlichen
Isolierschemel des Trones mit steht - mit einem verjüngten Blitze in seine
Finger oder Augen einschlagen; in Kollegien und an Höfen bleibt ohne Verbindung
keiner aufrecht, es ist da wie auf den Galeeren, wo alle Sklaven ihre Ruder
zugleich bewegen müssen, wenn keiner die Schneide der Kette empfinden soll. Aber
Viktor sagte zu sich: »Sei kein Kind! sei kein umgekehrter Fuchs, der saure
Trauben, bloß weil er sie nicht mehr erspringen kann, für süß ausgibt! Ich
schmeichle mir, du kannst höfische Herzen entraten, die wie ihre Gerichte über
einem Wärmbecken
