 das ganze Erdenleben
keinen größeren Himmel an! Ruhe nun in stillem Entzücken mit dem überwältigten
Angesicht auf der Engelhand, in die das edelste Herz das für die Tugend wallende
Blut ausgiesset! Weine alle deine Freudentränen auf die gute Hand, die dir sie
gegeben hat! Und dann: wenn du es vermagst vor Entzücken oder vor Ehrfurcht,
denn hebe dein reines glänzendes Auge auf und zeig ihr darin den Blick der
erhabenen Liebe, den Blick der ewigen Liebe und der stummen und der seligen und
der unaussprechlichen! -
    Ach der, den einmal eine Klotilde geliebt hätte, der könnte jetzo vor
Entzücken nicht weiterlesen - nicht weiterschreiben...... oder auch vor Schmerz!
-
    Jetzt legte er den schöneren Weg schweigend und geheiligt zurück - der Mond
hing wie ein betauter, mit weißen Blüten überlegter Morgen vom Himmel herab -
der Frühling bewegte seine Auen und seine Blumen unter dem Schleier von Schnee -
das Entzücken schlug in Viktors Herzen, schwoll in seiner Brust, glänzt' in
seinem Auge - aber die Sprachlosigkeit der Ehrfurcht herrschte über das
Entzücken.... Sie kamen an. Und als beide im Zimmer der Harmonika, wo er abends
vor Schmerzen ihre Hand ergriffen hatte, einander einsam gegenüberstanden, so
verändert, so selig zum ersten Male, zwei solche Herzen, sie wie ein Engel, der
vom Himmel niedersank, er wie ein Seliger, der aus der Erde auferstand, um dem
blöden Engel an das Herz zu fallen und mit ihm sprachlos in den Himmel
zurückzugehen... welche Stunde! - O nur für euch, ihr schönen Seelen, die ihr
solche Stunde nie erlebt und doch verdient, mal' ich diese fort! .... Wie zwei
Selige vor Gott schauen sie einander in die Augen und in die Seelen wie ein
Zephyr, den zwei schwankende Rosen fortsetzen, wehet zwischen den zitternden
Lippen der sprachlose Wonneseufzer, von der Brust in schnellen Zügen
eingetrunken und freudig schauernd in langen ausgezittert - sie schweigen, um
sich anzublicken, sie heben die Augen auf, um durch den Freudentropfen
durchzusehen, und senken sie nieder, um ihn mit dem Augenlide abzutrocknen....
Nein, es ist genug - o es ist eine andre Träne, die jetzo drückend in dem
schönen Herzen liegt, das schweigt und sagen will: ich war niemals glücklich,
und ich werd' es auch nie!
    Viktor hatte ihr so viel zu sagen und hatte so wenige Minuten mehr dazu:
gleichwohl machte ihn nicht sowohl die Freude als die Ehrfurcht stumm - denn
heilig ist dem liebenden Herzen die Gestalt, die zu ihm gesagt: ich bin dein. -
Denket aber nicht, er wollte etwan die rohe Bitte tun, seinetwegen dazubleiben;
nur die Frage,
