 in ihnen - Aber er fasste sich:
»Kannst du noch nicht entbehren,« (sagt' er zu sich) »nicht einmal ein nasses
Auge? Nein, mit einem trocknen nimm dieses beklommene Echo deiner ganzen Brust,
nimm diesen Nachhall aus Arkadien und alle diese weinenden Laute in eine
zerstörte Seele auf« - Unter einer solchen überhüllten Zerfliessung, die er oft
für Fassung nahm, wars allemal in ihm, als wenn ihn aus einer fernen Gegend eine
brechende Stimme anredete, deren Worte den Silbenfall von Versen hatten; die
brechende Stimme redete ihn wieder an: »Sind nicht diese Töne aus verklungenen
Hoffnungen gemacht? Rinnen nicht diese Laute, Horion, wie Menschentage
ineinander? O blicke nicht auf dein Herz! in das stäubende Herz malen sich wie
in einen Nebel die vorigen schimmernden Zeiten hinein« - Gleichwohl antwortete
er noch ruhig: »Das Leben ist ja zu kurz für zwei Tränen, für die des Kummers
und für die andre« .... Aber als jetzt die weiße Taube, die Emanuel im
Gottesacker niederfallen sah, durch seine Bilder flog - als er dachte: »Diese
Taube hat ja schon in meinem Traum von Klotilden geflattert und sich an die
Eisberge geklammert: ach sie ist das Bild des verwelkenden Engels neben mir« -
und als die Töne immer leiser flatterten und endlich in dem flüsternden Laube
eines Totenkranzes umherliefen - und als die brechende Stimme wiederkam und
sagte: »Kennst du die alten Töne nicht? - Siehe, sie gingen schon in deinem
Traum vor ihrem Wiegenfeste und senkten dort bis ans Herz die kranke Seele neben
dir ins Grab, und sie ließ dir nichts zurück als ein Auge voll Tränen und eine
Seele voll Schmerz« - - - »Nein, mehr ließ sie mir nicht«, sagte gebrochen sein
müdes Herz, und alle seine bekämpften Tränen drangen in Strömen aus den
Augen....
    Aber das Licht ward eben aus dem Zimmer getragen, und der erste Strom fiel
ungesehen in den Schoss der Nacht.
    Die Harmonika fing die Melodie der Toten an: »Wie sie so sanft ruhen! etc.« -
Ach in solchen Tönen schlagen die zerlaufenden Wellen des Meeres der Ewigkeit an
das Herz der dunklen Menschen, die am Ufer stehen und sich hinübersehnen! -
Jetzt wirst du, Horion, von einem tönenden Wehen aus dem Regendunst des Lebens
hinübergehoben in die lichte Ewigkeit! - Höre, welche Töne umlaufen die weiten
Gefilde von Eden! Schlagen nicht die Laute, in Hauche verflogen, an fernen
Blumen zurück und umfliessen, vom Echo geschwollen, den Schwanen-Busen, der
selig-zergehend auf Flügeln schwimmt, und ziehen ihn von o melodischen Fluten in
Fluten und sinken mit ihm in die fernen Blumen ein
