, hinter
den aufliegenden Wolken, da wohnt ein schöneres Land, da wohnt die Seele, die du
suchst, da liegt der Himmel näher an der Erde? - Aber hinter dem Gebirge und
hinter dem Gewölke stöhnt auch ein verkanntes Herz und schauet an deinen
Horizont herüber und denkt: Ach, in jener Ferne wär' ich wohl glücklicher!
    Sind wir denn alle nicht glücklich - - Bejah' es nicht und sage nicht zu
mir, Emanuel, dass im Winter dieses Lebens gerade die wenigen warmen
Sonnenblicke, die ihn unterbrechen, den bessern Menschen wie Gewächse
zersprengen und zugrunde richten - sage nicht, dass jedes Jahr etwas von unserm
Herzen wegstosse, und dass es wie das Eis immer kleiner werde, je weiter es
schwimme im Strome der Zeit - sage nur nicht, dass die irrende Psyche, wenn sie
auch ihr zweites Selbst in ihrem Gefängnis höre, doch nie in seine Arme kommen
könne - - Aber du hasts schon einmal gesagt:
    In zwei Körpern stehen wie auf zwei Hügeln getrennt alle liebende Seelen der
Erde, eine Wüste liegt zwischen ihnen wie zwischen Sonnensystemen, sie sehen
einander herübersprechen durch ferne Zeichen, sie hören endlich die Stimmen über
die Hügel herüber - aber sie berühren sich nie, und jede umschlingt nur ihren
Gedanken. - Und doch zerstäubt diese arme Liebe wie ein alter Leichnam, wenn sie
gezeigt wird; und ihre Flamme zerflattert wie eine Begräbnislampe, wenn sie
aufgeschlossen wird.
    Sind wir denn alle nicht glücklich? -
    Bejah' es nicht! - Ach der Mensch, der schon von der Kindheit an nach einer
unbekannten Seele rief, die mit seiner eignen in einem Herzen aufwuchs - die in
alle Träume seiner Jahre kam und darin von weitem schimmerte und nach dem
Erwachen seine Tränen erregte - die im Frühling ihm Nachtigallen schickte, damit
er an sie denke und sich nach ihr sehne - die in jeder weichen Stunde seine
Seele besuchte mit so viel Tugend, mit so viel Liebe, dass er so gern all' sein
Blut in seinem Herzen wie in einer Opferschale der Geliebten hingegeben hätte -
die aber ach nirgends erschien, nur ihr Bild in jeder schönen Gestalt zusandte,
aber ihr Herz ewig entrückte - - endlich, o plötzlich, o selig schlägt ihr Herz
an seinem Herzen, und die zwei Seelen umfassen sich auf immer - - er kann es
nicht mehr sagen, aber wir könnens: dieser ist doch glücklich und geliebt....
    Guter Emanuel, du vergibst mir den Schmerz der Furcht, dass ich es wohl nie
sein werde - Nein, nie! - O ich wäre auch für diese von Gräbern zerstückte Erde
vielleicht gar zu glücklich, ich dürfte für ein so junges, mit so kleinen
Verdiensten gerechtfertigtes Leben vielleicht ein zu großes Eden
