 Plan, den sich nicht jeder
Kapellmeister entwirft - allmählich aus den Ohren in das Herz, wie aus Allegros
in Adagios; dieser große Komponist geht in immer engeren Kreisen um die Brust, in
der ein Herz ist, bis er sie endlich erreicht und unter Entzückungen umschlingt.
    Horion zitterte einsam, ohne seine Geliebten zu sehen, in einer finsteren
Laube, in welche ein einziger verdorrter Zweig das Licht des Mondes und seiner
jagenden Wolken einließ. Nichts rührte ihn unter einer Musik allezeit mehr, als
in die laufenden Wolken zu sehen. Wenn er diese Nebelströme in ihrer ewigen
Flucht um unser Schatten-Rund begleitete mit seinen Augen und mit den Tönen, und
wenn er ihnen mitgab alle seine Freuden und seine Wünsche: dann dacht' er, wie
in allen seinen Freuden und Leiden, an andre Wolken, an eine andre Flucht, an
andre Schatten als an die über ihm, dann lechzete und schmachtete seine ganze
Seele; aber die Saiten stillten das Lechzen, wie die kalte Bleikugel im Mund den
Durst ablöscht, und die Töne löseten die drückenden Tränen von der vollen Seele
los.
    Teurer Viktor! im Menschen ist ein großer Wunsch, der nie erfüllt wurde: er
hat keinen Namen, er sucht seinen Gegenstand, aber alles, was du ihm nennest,
und alle Freuden sind es nicht; allein er kommt wieder, wenn du in einer
Sommernacht nach Norden siehst oder nach fernen Gebirgen, oder wenn Mondlicht
auf der Erde ist, oder der Himmel gestirnt, oder wenn du sehr glücklich bist.
Dieser große ungeheure Wunsch hebt unsern Geist empor, aber mit Schmerzen: ach!
wir werden hienieden liegend in die Höhe geworfen gleich Fallsüchtigen. Aber
diesen Wunsch, dem nichts einen Namen geben kann, nennen unsre Saiten und Töne
dem Menschengeiste - der sehnsüchtige Geist weint dann stärker und kann sich
nicht mehr fassen und ruft in jammerndem Entzücken zwischen die Töne hinein: ja
alles, was ihr nennt, das fehlt mir....
    Der rätselhafte Sterbliche hat auch eine namenlose ungeheure Furcht, die
keinen Gegenstand hat, die bei gehörten Geistererscheinungen erwacht, und die
man zuweilen fühlt, wenn man nur von ihr spricht....
    Horion übergab sein zerstossenes Herz mit stillen Tränen, die niemand fließen
sah, den hohen Adagios, die sich mit warmen Eiderdunen-Flügeln über alle seine
Wunden legten. Alles, was er liebte, trat jetzt in seine Schatten-Laube, sein
ältester Freund und sein jüngster - er hört die Gewitterstürmer des Lebens
läuten, aber die Hände der Freundschaft strecken sich einander entgegen und
fassen sich, und noch im zweiten Leben halten sie sich unverweset. -
    Alle Töne schienen die überirdischen Echo seines Traumes zu sein, welche
Wesen antworteten, die man nicht
