 Seufzer oder ein Busen voll Wonne erhöhte, und Klotilde lächelte
seliger, von jedem Widerhalle tiefer in den Blumenboden versenkt - In den Tönen
war zu viel Wonne, und das aufgelöste Herz des Menschen wollte darin sterben.
Klotilde sank jetzt in die Gräber bis ans Herz; nur das stille Haupt lächelte
noch über der Aue - die Vergissmeinnicht ragten endlich an die untergesunkenen
Augen voll seliger Tränen und überblühten sie - Da überkroch die Holde plötzlich
ein Schlummerhügel, und unter den Blumen stiegen ihre Worte auf: Ruhe du auch,
Horion! - Aber die ferneren Laute verwandelten sich unter dem Begraben in dunkle
Harmonikatöne... Siehe, unter dem Verstummen ging ein großer Schatten wie
Emanuel heran und stand vor ihm wie eine kurze Nacht und verdeckte die
unbekannte Minute aus einer höheren Welt. Aber als die Minute und der Schatten
zerflossen waren: da waren alle Hügel niedergefallen - Da übergüldete der
Blumen-Widerschein zusammengeflossen den wallenden Himmel - Da klammerten sich
an die Purpurgipfel der Eisberge weiße Schmetterlinge, weiße Tauben, weiße
Schwanen mit ausgespannten Flügeln wie mit Armen an, und hinter den Bergen
wurden gleichsam von einer übermäßigen Entzückung Blüten emporgeworfen und
Sterne und Kränze - Da stand auf dem höchsten, in lichtem Glanz und Purpurlohe
ruhenden Eisberg Klotilde verherrlicht, geheiligt, überirdisch entzückt, und an
ihrem Herzen flatterte eine Nebelkugel, die aus aufgelösten kleinen Tränen
bestand, und auf welche Horions blasses Bild gezeichnet war, und Klotilde
breitete die Arme auseinander.« - -
    Aber um zu umarmen? oder um sich aufzuschwingen? oder um zu beten? ... Ach,
er erwachte zu bald und strömte in größeren Tränen, als die nebeligen waren, aus,
und eine untersinkende Stimme rief unaufhörlich um ihn: Ruhe du auch!
    O du weibliche Seele, die du müde und unbelohnt, bekämpft und blutend, aber
groß und unbefleckt aus dem rauchenden Schlachtfelde des Lebens gehst, du Engel,
den das männliche, von Stürmen erzogne, von Geschäften besudelte Herz achten und
lieben, aber nicht belohnen und erreichen kann; wie beugt sich jetzo meine Seele
vor dir, wie wünsch' ich dir jetzo des Himmels stillenden Balsam, des Ewigen
belohnende Güte! Und du, Philippine, teure Seele, tritt weg in eine verborgne
Zelle und lege unter den Tränen, die du schon so oft vergossen hast, deine Hand
an dein reines weiches Herz und schwöre: »Ewig bleibe du Gott und der Tugend
geweiht, wenn auch nicht der Ruhe!« Dir schwör es; mir nicht, denn ich glaub' es
ohne Schwur. - -
    Welch' eine Paradenacht voll Sterne und Träume war das! und welch ein
Galatag der Natur kam auf sie! In Viktors Kopf stand nichts als St. Lüne, blau
überzogen
