, aber ohne Liebe dazu, sie
spielen mit dem ausgekernten Leben wie mit einer Locke und halten es nicht
einmal der Mühe wert, es abzukürzen - aber doch halten sie es dieser Mühe wert,
wenn ihnen, indes sie in diesem Nachtfrost der Seele dastehen, außen lächelnd
und kalt, innen überglüht, ohne Hoffnung, ohne Furcht, ohne Glauben, entsagend,
spielend und zugeschlossen, wenn ihnen ein Todesfall, ein großer Schmerz ins
unglückliche Herz greift. - - Ach armer Lord! kann denn deines nicht eher als
unter der Decke des schwarzen Marmors ruhen?
    Ach armer Lord! wiederholte unaufhörlich sein Sohn, der nach Maiental mit
einer gepressten Seele ging. Außen um ihn war der Himmel still; ein großes Gewölk
überdeckte ihn ganz, aber es stand ringsum auf einem blauen Saum am Horizont.
Hingegen in Viktors Brust zogen Luftströme gegeneinander und wirbelten sich zu
einer Windhose zusammen, die Bäche auftrinkt und Bäume aufzieht. - Sein Vater
hing bleich in diesem Sturm. - Viktors künftige Tage wurden hin- und
hergeschleudert. - Sein künftiges Leben drängte sich in ein enges überflortes
Bild zusammen und machte ihn ebenso ängstlich darüber, dass er es leben müsste,
als wie er es müsste.
    Am wehesten tat ihm gerade die sinnliche Kleinigkeit, dass sein Vater noch
allein und verhüllt in der Insel geblieben war. Einmal fiel ihn die Vermutung
an, ob nicht das meiste nur dramatische Maschinerie gewesen sei, die sein Vater
(der in der Jugend ein Tragödiendichter gewesen) gebraucht habe, um seinem
Gelübde der Verschwiegenheit mehr Festigkeit zu geben - aber sogleich ekelte ihn
seines eignen Herzens. Warum sind die reinsten Seelen mit einer Menge
ekelhafter, giftiger Gedanken gequält, die wie Spinnen an den glänzenden Wänden
hinaufkriechen und die sie nur die Mühe totzudrücken haben? Ach unsre Kriege
unterscheiden sich nicht ganz von unsern Niederlagen!
    Es ist sonderbar, dass er den perspektivischen Gedanken an Klotildens
Blutverwandtschaft mit Flamin am wenigsten verfolgte. -
    Wenn der Mensch von der Vernunft keine balsamische Mittel erlangen kann: so
fleht er die Hoffnung und die Täuschung darum an; und beide zerteilen dann gern
den Schmerz. So wie heute nach und nach am Himmel durch lichte Fugen das Blaue
durchriss, und wie das Nebelmeer zu hängenden Seen einlief: so gingen auch in
Viktors Seele die dunkeln Gedanken auseinander. - Und als die geschwollnen
Wolkenklumpen im weiten Blau zu Flocken eingingen' bis endlich das blaue Meer
alle Nebelbänke verschlang und nichts auf seiner unendlichen Fläche trug als die
herunterlodernde Sonne: so reinigte sich auch Viktors Seele von Dünsten, und das
Sonnenbild Emanuels, den er heute erreichen sollte, schien sanft und warm und
wolkenlos in alle seine Wunden... Die Gestalt seines geliebten Dahore - die
Gestalt seines geliebten Vaters - die Gestalt
