 Gefährten zum Tode rief.
Seine Fassung war wehmütig. Er musste sich selbst sagen, dass er seit dem
erstenmal, da sein treuer Roger ihn warnte, bis zu diesem Augenblick, immer die
Wahl zwischen dem Besseren und Schlimmeren gehabt hatte; sein Geist war
erstorben, sein Herz ausgeglüht, nur seine Liebe für Sara erleuchtete, gleich
dem Abendrot an einem stürmischen Tag, dessen Morgen doch heiter anbrach, noch
einmal sein finsteres Dasein; er heftete auf sie seine schweren Augen, und
schloss sie gern auf ewig. In Sara waltete eine über das Schicksal erhabene Ruhe;
sie hielt des Bruders kalte Hände, drükte sie an ihr Herz, an ihre Lippen, und
in dem sinnenden Blick ihres ernsten Auges schienen Ahnungen eines freieren,
reineren Daseins zu liegen. Wie die Wachen den Unglücklichen abholten, schauderte
sie auf; er stand sprachlos, zeigte auf den sanft schlummernden Hyppolit - dann
rief er mühsam: ohne ihn risse ich Dich mit mir fort! - Ohne ihn folgte ich Dir!
sprach sie zitternd, umarmte den Bruder, wandte sich gegen die Soldaten, und
sagte mit gebrochnem Ton und gefalteten Händen: Fasst ihn scharf in's Auge - es
ist meine letzte Bitte! - Jetzt erstikten die Tränen ihre Stimme, und Theodor
ward fortgeführt.
Sara's Betragen im Kriegsdienst, gegen ihren Bruder, gegen den verwaisten Knaben
hatte ihre Obern, und alle, die in der Gegend von ihr hörten, so gewonnen, dass
es ihr an Unterstüzung nicht fehlte, die sie, an ihren Pflegsohn denkend, ohne
Widerwillen annahm. Sie sann indessen darauf, sich in eine Einsamkeit
zurückzuziehen, wo sie, fern von Menschen, fern von dem Geräusch der Waffen -
denn beides presste ihr Herz zusammen - sich nach und nach wieder an das Leben
gewöhnen könnte, dessen Last zu tragen sie nun so feierlich verpflichtet war.
Der herannahende Frühling bestärkte sie in einem Plane, den sie in ihrem Innern
seit jenem Augenblick entworfen hatte, da sie neben Hyppolits erblasster Mutter
ihren Bruder dem Tode überantworten, und sich selbst zum Leben verurteilen
musste. Das kleine Gebäude in den Ruinen von C**, wo sie mit ihren
Kriegsgefährten eine Nacht im Hinterhalt gelegen hatte, ließ sich mit einer
kleinen Ausbesserung bewohnbar machen; unter diesen grausenvollen Trümmern
vermutete man keines lebendigen Geschöpfes Aufenthalt, und sie fand da Nahrung
für ihren Schmerz, reine Luft für ihren Zögling, und den ungestörten Anblick der
sich aus der Verwüstung hervorarbeitenden Natur, von den hohen Felsen in die
Täler herab. Ein Bauer, bei welchem sie in der damaligen Zeit im Quartier
gelegen hatte, war durch ihr sanftes Betragen, durch die menschliche,
regelmäßige Aufführung ihrer Untergebnen, für sie eingenommen worden, und hatte
den Auftritt im Schloss,
