, dass wir
uns noch einmal wiedersehen!
 
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                            Balder an William Lovell
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Rosa will nach Rom zurückreisen; wenn Du noch einiges Mitleids fähig bist, so
leiste mir einige Tage über Gesellschaft. Ich bin in einer fürchterlichen Lage,
meine Krankheit, (wenn ich es so nennen kann) nimmt mit jedem Tage zu, alle
Freuden und Hoffnungen verlassen mich, in einem kalten Trübsinne sehe ich der
Leere jedes folgenden Tages entgegen. Mein Gehirn ist wüst, eine heiße
Trockenheit brennt in meinem Kopfe, alles flieht, ich kann keinen Gedanken
festhalten: alles saust mir vorüber, kein Ton dringt mehr in meine Seele.
    Mir ist zuweilen, als stehe ich auf dem Scheidewege, um vom Leben Abschied
zu nehmen, oft ist mir sogar zumute, als wenn schon alles in einer weiten,
weiten Ferne läge, wie von der Spitze eines Turmes seh ich mit trübem Auge in
die Welt hinunter und vermag keinen Gegenstand deutlich zu unterscheiden.
Zuweilen aber werde ich wieder zurückgerissen, meine Sinne tun sich den
Eindrücken wieder auf, und die Seele kommt zu ihrem Körper zurück. - Komm doch
zu mir, William, in Deiner Gegenwart gewinne ich vielleicht eine bestimmtere
Existenz, entweder ich komme ganz wieder zu den Menschen hinüber, oder ich werde
jenseits in ein dunkles, chaotisches Gebiet geschleudert, das sich dann
vielleicht meinem Geiste entwickelt: dass ich dann mit der Seele einheimisch bin,
wohin mir kein Gedanke der übrigen Sterblichen folgt.
    Ja, Lovell, ich bin immer noch in Zweifel darüber, was aus mir werden würde,
wenn die Leute mich wahnsinnig nennen; o ich fühle es, dass ich in vielen
Augenblicken diesem Zustande so nahe bin, dass ich nur noch einen einzigen
kleinen Schritt vorwärts zu tun brauche, um nicht wieder zurückzukehren. Ich
brüte oft mit anhaltendem Nachdenken über mir selber; zuweilen ist's, als risse
sich eine Spalte auf, dass ich mit meinem Blicke in mein innerstes Wesen und in
die Zukunft dringen könnte; aber sie fällt wieder zu, und alles, was ich fesseln
wollte, entflieht treulos meinen Händen. - Als Kind stand ich oft mit Ehrfurcht
und ahnender Seele vor dem Klavier meiner Eltern und betrachtete stumm und
unverwandt den künstlich ausgeschnjetzten Stern des Resonanzbodens; ich sah
scheu durch ihn in die Dunkelheit hinein, weil ich wähnte, dort unten wohne der
Genius des Gesanges, der leise mit den Flügeln rausche, wenn die Tasten
angeschlagen wurden. Ich sah ihn oft in meinen Gedanken emporsteigen, wie er
leise schwebend von seinen süßen Tönen getragen wird und immer höher und höher
steigt und ein glänzendes Gewimmel von Harmonieen sich um ihn versammelt, dann
wieder still und langsam in seine Tiefe hinabsinkt und schweigend unten wohnt. -
Als ich älter ward
