 dem Himmel näher dünken. Aber dort oben stehen sie verlassen;
Felsenwände, die kein sterblicher Arm hinwegrücken wird, begrenzen ihre
Aussicht; - um den Göttern ähnlich zu werden, sterben sie, ohne gelebt zu haben.
- Nein, Rosa, hinweg mit diesem trostlosen Stolze! - Ich begnüge mich mit der
Empfindung, ein Mensch zu sein; rasch entflieht das Leben, wehe dem, der vom
irdischen Schlafe erwacht, ohne angenehm geträumt zu haben, denn wüste und
dunkel ist die Zukunft.
    Seit ich an diesem Glauben hange, lacht mir der Himmel freundlicher, jede
Blume duftet mir süßer, jeder Ton klingt melodischer; die ganze Welt betrachte
ich als mein Eigentum, jede Schönheit gehört mir, indem ich sie verstehe. So muss
der freie Mensch durch die Natur wandeln, ein König der Schöpfung, das edelste
geschaffene Wesen, indem er am edelsten zu genießen weiß. - Ich höre auf, nach
Weisheit zu ringen, der sich kein Sterblicher nähern kann - warum lässt Sisyphus
seinen boshaften Stein nicht endlich liegen? Warum werden die Danaiden ihrer
unglückseligen Arbeit nicht überdrüssig? - Warum schaffen sich Tausende aus
dieser schönen Welt freiwillig eine Hölle? -
    Gönnen Sie mir diesen poetischen Enthusiasmus, denn in einer schönen Stunde
schreibe ich Ihnen, in dem Garten, der schon oft die Szene unsrer Freuden war.
Die Luft ist durch ein Gewitter abgekühlt, und die schwarzen Wolken ziehen jetzt
hinweg, ein schmaler Strahl bricht aus der Dunkelheit hervor und wirft einen
roten Streif über die grüne Wiese, golden stehen die Spitzen der Hügel da, wie
elysäische Inseln in einem trüben Ozean, in der Ferne wandelt ein Regenbogen
durch den grünen Wald, die Natur ist wieder frisch, die Wiesen duften; nur Ihre
Freundschaft fehlt dem glücklichen Lovell.
 
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                             Rosa an William Lovell
                                                                         Neapel.
Seitdem ich Ihren Brief erhalten habe, tut es mir mehr leid als je, dass ich mit
dem melancholischen Balder hiehergereist bin; ich werde so schnell als möglich
zurückkommen. Er wird mit jedem Tage finsterer und verschlossener, eine seltsame
Art von Schwärmerei scheint seinen Geist in einer unaufhörlichen Spannung zu
erhalten. Sie werden wissen, dass bei ihm die gewöhnlichen Zerstreuungen und
Freuden des Lebens übel angebracht sind, sie dienen nur, seiner Laune einen noch
finstrern Anstrich zu geben. - Ist es nicht kindisch, sich selbst und der ganzen
Natur deswegen zu fluchen, weil nicht alles so ist, wie wir es mit unsern
beschränkten Sinnen fordern? - Aber ich kenne auch die Reize, die diese
Schwärmerei uns anfangs gewährt, wir ahnden eine Vertraulichkeit mit Geistern,
die uns entzückt, die Seele badet sich im reinsten Glanze des Äters und vergisst
zur Erde zurückzukehren; aber die Kraft, die die Welt nach dem innern Bilde
