 manchen
dunkeln Regionen. Balder zieht sich oft ganz von uns zurück, er träumt gern für
sich in der Einsamkeit, meine Besorgnis für ihn nimmt mit jedem Tage zu, denn er
ist sich oft selbst nicht ähnlich. Neulich war das Wetter schöner, als es
gewöhnlich um diese Jahreszeit zu sein pflegt, wir gingen im Felde spazieren und
ich suchte ihn auf die Schönheiten der Natur aufmerksam zu machen, aber er
brütete düster in sich selber gekehrt. - »Worüber denkst du«, fragte ich ihn
dringend; »du bist seit einiger Zeit verschlossen, du hast Geheimnisse vor
deinem Freunde, gegen den du sonst immer so offenherzig warst. - Was fehlt dir?«
    »Nichts«, antwortete er kalt und ging in seinem Tiefsinne weiter.
    »Sieh die reizende Schöpfung umher«, redete ich ihn wieder an, »sieh wie
sich die ganze Natur freut und glücklich ist!« -
    Balder: »Und alles stirbt und verwest; - vergissest du, dass wir über Leichen
von Millionen mannigfaltiger Geschöpfe gehen - dass die Pracht der Natur ihren
Stoff aus dem Moder nimmt - dass sie nichts als eine verkleidete Verwesung ist?«
    »Du hast eine schreckliche Fähigkeit, allenthalben unter den lachendsten
Farben ein trübes Bild zu finden.«
    »Freude und Lachen?« fuhr er auf, »was sind sie? Dies Grauen vor der
Schönheit, ja vor mir selbst ist es, was mich verfolgt; vertilge dies in mir und
ich werde dich und die übrigen Menschen nicht mehr abgeschmackt finden.«
    »Warum aber«, fuhr ich fort, »willst du diese Art die Dinge zu sehen, die
doch wahrlich nur eine Verwöhnung und kranke Willkür ist, nicht wieder
fahrenlassen, und mit frohem Mut die wahre Gestalt der Welt wieder suchen?«
    »Um so zu sehen, wie du siehst«, antwortete er, »ist aber dieser Anblick der
wahre? Wer von uns hat recht? Oder werden wir alle getäuscht?«
    »Mag es sein, aber so lass uns doch wenigstens den Betrug für wahr
anerkennen, der uns glücklich macht.«
    Balder: »Deine Täuschung macht mich nicht glücklich, die Farben sind für
mich verbleicht, das verhüllende Gewand von der Natur abgefallen, ich sehe das
weiße Gerippe in seiner fürchterlichen Nacktheit. - Was nennst du Freude, was
nennst du Genuss? - Könnten wir der Natur ihre Verkleidung wieder abreißen - o
wir würden weinen, wir würden ein Entsetzen finden, statt Freude und Lust.«
    »Und warum? - Mögen wir doch zwischen Rätsel und Unbegreiflichkeiten
einhergehn, ich will die frohe Empfindung meines Daseins genießen, dann wieder
verschwinden, wie ich entstand - genug, im Leben liegt meine Freude. -
