 Schöpfung, auf den
die Natur mit allen ihren Wohltaten ziele. Itzt steh ich vielleicht auf der
Stufe, von wo ich in die Schule des Elends mit ernster Grausamkeit verwiesen
werde, um mich vom Kinde zum Manne zu bilden: und werd ich glücklicher sein, als
ich war, wenn ich vom harten Unterrichte zurückkehre?
    Und hab ich denn ein Recht über mein Unglück zu klagen? und bin ich wirklich
unglücklich? - Liebt mich denn Amalie, ist sie mein, dass mich ihre Entfernung
traurig machen darf? Bin ich nicht der Sohn eines zärtlichen Vaters, der Freund
eines edlen Freundes? und ich spreche von Elend? - Wozu dieser Eigensinn, dass
ich mir einbilde, nur sie sei meine Seligkeit? Ja, Eduard, ich will meiner
Schwäche widerstehn, aber Sehnsucht und Wünsche sind nicht Verbrechen. Ich will
nicht mit dem Schicksal rechten, aber Klagen sind der Schwäche des Menschen
vergönnt; wer noch nie seufzte, hat noch nie verloren.
    Wie ein Gewicht drückt eine ängstliche Beklemmung meine Brust, wenn ich an
die wenigen glücklichen Tage in Bondly zurückdenke, und damit die lange, lange
freudenleere Zukunft vergleiche. Die Liebe zeigte mir das Licht, das Morgenrot
schwang durch den Himmel seine purpurrote Fahne, alle Berge umher glühten und
flammten im freudenreichen Scheine - jetzt ist die Sonne wieder untergesunken,
eine öde Nacht umfängt mich. Ich habe meinen lieben Gefährten verloren und rufe
durch den dunkeln Wald vergeblich seinen Namen, ein hohles Echo wirft mir ihn
ohne Trost zurück, die weite einsame Leere kümmert sich nicht um meinen Jammer.
Ein schneidender Wind bläst schadenfroh über mein Haupt dahin und schüttelt das
letzte Laub von den Bäumen.
Schwarz war die Nacht und dunkle Sterne brannten,
Durch Wolkenschleier matt und bleich,
Die Flur durchstrich das Geisterreich,
Als feindlich sich die Parzen abwärts wandten
Und zornge Götter mich ins Leben sandten.
Die Eule sang mir grause Wiegenlieder
Und schrie mir durch die stille Ruh
Ein grässliches: Willkommen! zu.
Der bleiche Gram und Jammer sanken nieder
Und grüßten mich als längst gekannte Brüder.
Da sprach der Gram in banger Geisterstunde:
Du bist zu Qualen eingeweiht,
Ein Ziel des Schicksals Grausamkeit,
Die Bogen sind gespannt und jede Stunde
Schlägt grausam dir stets neue blutge Wunde.
Dich werden alle Menschenfreuden fliehen,
Dich spricht kein Wesen freundlich an,
Du gehst die wüste Felsenbahn,
Wo Klippen drohn, wo keine Blumen blühen,
Der Sonne Strahlen heiß und heißer glühen.
Die Liebe, die der Schöpfung All durchklingt,
Der Schirm in Jammer und in Leiden,
Die Blüte aller Erdenfreuden,
Die unser Herz zum höchsten Himmel schwingt,
Wo Durst aus selgem Born Erquicken trinkt,
Die Liebe sei auf ewig dir versagt.
Das Tor ist hinter dir geschlossen,
Auf
