 zürnen,
Lass Lieb und Freundschaft zu Verrätern werden,
Lass alles treulos von dir fallen: ha! was kümmern
Dich Luftgestalten? - sei dir selbst genug!
Was meinen Sie? - Wenn ich über mich selbst ein Trauerspiel machte, müsste sich
da diese Tirade nicht am Schluße des vierten Akts ganz gut ausnehmen?
    Die Räuber verachten mich von Herzen, weil sie sehen, dass ich zu ihrem
Gewerbe ganz unbrauchbar bin. Sie gehen aus und lassen mich meistenteils zurück,
um die Wohnungen zu bewachen.
    Einer von ihnen ist erschossen. Ich bin zuweilen der Zeuge der
niederschlagendsten Szenen, ich möchte mir oft selber entfliehen. - Ich bin
wieder allein und schwarze Gewitterwolken bedecken den ganzen Horizont. - Wie
wüste und verlassen ist alles um mich her! - Der Blitz zuckt durch den schwarzen
Wolkenvorhang und ein Donnerschlag läuft krachend durch die Gebirge. Ein wildes
Gebrause von Regen und Hagel stürzt herab, alle Bäume wanken bis in ihre Wurzeln
-
    Ich erinnere mich meines Aufenthaltes in Paris. - Wie ist es möglich, dass
manche Menschen, die ich dort kannte, noch den Wunsch nach dem Leben haben
können? - Von allem, was das Leben teuer und angenehm macht, waren sie entblößt,
sie mussten sich unter Schimpf und Verfolgung von einem Tage zum andern
hinüberbetteln, sie wurden von Not und Mangel erdrückt, und dennoch sahen sie
dem näherschreitenden Tode mit einer bleichen Wange entgegen. - Ich kann es
nicht begreifen und würde es in einer Erzählung nicht glauben.
Nein, ich muss mir vor mir selber endlich Ruhe schaffen. - Soll mir alles nur
dräuen und kein Wesen liebevoll die Hand nach mir ausstrecken? Ist für mich der
Name Freundschaft und Wohlwollen tot? - Und wenn der Himmel noch lauter zürnte,
so will ich mich dennoch nicht entsetzen. In einer noch höheren Wildheit, im
stürmendsten Wahnsinne will ich einen Zufluchtsort suchen und mich dort gegen
alles verschanzen! Ich will so lange trinken, bis mir Sinne, Atem und Bewusstsein
entgehn, und so als ein taumelnder Schatten zum Orkus wandern, damit mir dort
alles noch seltsamer und unbegreiflicher erscheine.
    Hoch möcht ich mit den Stürmen durch des Himmels Wölbung fahren, mich in das
schäumende Meer werfen und gegen die donnernden Wogen kämpfen, mit den
Abgründen, mit den tiefen, undurchdringlichen Schachten der Erde will ich mich
vertraut machen, und endlich, endlich irgendwo die Ruhe entdecken. -
    Und warum will ich ruhig sein? Warum dies lächerliche Streben nach einer
Empfindung, die an sich nichts ist? die nur aus einer Abwesenheit von Gefühlen
entsteht? - Nein, ich will anfangen, in den Folterschmerzen, im Kampfe des
Gewissens meine Freuden zu finden! - Alle Verbrecher, alle Bösewichter sollen
leben! Der Tugend, der
