 der unter unsern Wipfeln hinweggeht? so scheinen mir die Bäume
nachzurufen: jede Wolke und jeder Berg macht eine drohende Gebärde - ach, und
die Menschen um mich her! sie demütigen mich am meisten. Auf eine betrübte Art
sind sie sich selbst genug, ihre Trägheit und einen jämmerlichen Leichtsinn
halten sie für Stärke der Seele; sie bemerken die Leere in ihrem Geiste nicht,
die Anlage im Verstande, die ohne die mindeste Vollendung liegenblieb. Sie sind
nichts als redende Bilder, die den Menschen und mich verachten, weil sie sich
selbst nicht achten können.
    Sie sprechen oft viel von einem Rudolpho und Pietro, die sich immer durch
ihre Bravheit ausgezeichnet hätten, und die bei einem Überfalle umgekommen
wären. Sie wissen es nicht, Rosa, dass sie durch mich und durch Ihren Ferdinand
umkamen; sie würden mich sogleich ermorden; wenn ich es ihnen entdeckte. - Ich
habe ihre Leichensteine besuchen müssen, die ihnen die ganze Gesellschaft
gesetzt hat; sie dienen diesen Menschen zur Kirche. -
    Warum könnt ich nicht nächstens Rosalinen, oder meinen Vater wiederfinden? -
In dieser seltsamen Welt ist nichts unmöglich. -
    Der Morgen bricht an, der Mondschein wird bleicher, ich will mich
niederlegen, um noch einige Stunden zu schlafen. - Jetzt habe ich vor dem
Schaudern Ruhe: die Gespensterzeit ist vorüber. - Sie lachen vielleicht, Rosa -
leben Sie wohl.
    Ich durchsuche heute meine Brieftasche und finde noch ein altes, uraltes
Blatt darin; es ist ein Gedicht, das ich einst auf Amaliens Geburtstag machte.
Das Papier ist schon gelb und abgerieben, die Worte kaum noch zu lesen: darin
lag ihre Silhouette, die ich im Garten in Bondly an einem schönen Nachmittage
schnitt. Mein ganzes Herz hat sich bei diesen Entdeckungen umgewandt. Alles
Ehemalige, Längstverflossene und Längstvergessene kommt mir zurück, ich sehe sie
vor mir stehen, ich höre die Bäume im Garten von Bondly rauschen, die ganze
Landschaft zaubert sich vor meine Augen hin. - Ich will Ihnen die Phantasie
hiehersetzen, die mich so innig gerührt hat.
                                 Erster Genius
Wo find ich wohl den Bruder?
Schwärmt er im Regenbogen?
Schwebt er auf jener Wolke?
Bald müssen wir uns finden,
Die Sonne sinkt schon unter.
                                 Zweiter Genius
Hier bring ich Tau von Blumen,
Den Duft von jungen Rosen,
Und aus der Abendröte
Die kleinen goldnen Punkte;
Nun lass uns fürder eilen
Und holden Abendschimmer
Ihr auf die Wangen streuen,
Den Mund ihr röter färben,
Mit lichter Äterbläue
Die sanften Augen tränken,
Und in die blonden Locken
Die goldnen Lichter streuen,
Die wir vom Regenbogen,
Vom Abendschein erbeutet.
                                     Beide
Wir schweben auf Blumen,
Wir tanzen auf Wolken
Vorüber dem Mond.
Es leuchten uns freundlich
Zum nächtlichen Tanze
Die
