
ich komme dann zu mir und zur gewöhnlichen Heimat meiner Gedanken zurück!
Karten, Würfel und unzüchtige Gespräche. Die Seele leugnet sich selbst ihre
Schwingen ab und wohnt mit Wohlbehagen in einem schmutzigen Kerker, weil der
Äther und die Sonne und jede freie und glänzende Bahn eine strenge Rechenschaft
von ihr fordert.
    O Rosa! Wie oft erwachen jetzt kindliche Gefühle in meiner Brust, die wie
unvermutete, längstvergessene Freunde bei mir einkehren und den Hauch des
ehemaligen Frühlings mit sich bringen. Bilder von Gegenden, die mich sonst
schwermütig entzückten, kommen in mein Gemüt und machen mich von neuem
melancholisch: es reichen süße Stimmen über alle Abgründe zu mir herüber und
nennen sehnsuchtsvoll und anlockend meinen Namen. Ach, wie unaussprechlich
unglücklich macht mich alles! - Und dann kehre ich zu den Karten und zu meinen
gemeinen Gesellschaftern zurück.
    Oft, wenn ich mich in wüste Träume verliere und die Erde mit allen ihren
Schätzen wie ausgebrannte Schlacken vor mir lieget, geht Amaliens Name wie die
erste Blume nach dem Winter in meinem Herzen auf. Wie von vorüberfliegenden
Engeln werd ich dann begrüßt, wie Morgenrot umgibt es mich, das mühsam nach mir
hinüberklimmt. Dann möcht ich die unendlichen Gefilde des Himmels vergessen und
zur Erde, wie zu einer lieben Hütte zurückkehren. - Ach, meine Träume sind mehr
wert, als die Wirklichkeit! Und musst ich erst die Wirklichkeit so kennenlernen,
um auf diese Art träumen zu können?
 
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                            Karl Wilmont an Mortimer
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Ich habe keine Ruhe und kann ihn auch nicht finden. Es ist mir oft, als triebe
es mich in ein Haus hinein, dass er dort sein müsse, und wenn ich hineintrete,
ist er doch nicht da. Eine unbeschreibliche Ungeduld quält mich Tag und Nacht,
ich träume nur von ihm, und oft glaub ich am Morgen, dass er zu mir in das Zimmer
trete. Ich laufe an öffentlichen Örtern herum, ohne zu sehen und zu hören. Dann
empört sich meine Wut in mir von neuem und eine gänzliche Erschlaffung aller
Kräfte folgt dieser Anspannung.
    Ach, wie kommt mir das Leben vor? Von Torheiten wird es zusammengehalten,
damit es nicht zerfällt; je älter und schwächer der Mensch wird, je mehrere
dieser Narrheiten fallen ihm aus, und der Tod besteht am Ende darin, dass die
letzte Torheit aus dem Menschen springt und so dem Geiste Platz macht; und so
sterbe ich vielleicht, wenn ich meine Rache ganz aufgebe. Denn was will ich denn
damit, oder was kann sie mir helfen? Man möchte zuweilen alles nur für Scherz
halten.
    Ich verzweifle an mir selber; ich wünschte, dies klägliche Leben wäre erst
zu Ende, damit mir besser und ruhiger würde. - Und doch muss ich ihn suchen und
