 lustigen Abend bei unserm Francesco genießen
sollen, denn die Einsamkeit, die Entfernung von Ihnen und allen unsern Freunden
drückt mich nun um so schmerzhafter. Schon unter der Munterkeit, unter dem
lauten Lachen sah ich in Gedanken meinen einsamen Wagen zwischen düstern Bergen
fahren, und nun sitz ich hier in einer fremden Stadt, so ganz abgesondert, tief
in Betrachtungen und Erinnerungen mancherlei Art versenkt.
    Nichts ist für mich widriger und betrübter als jeder Abend vor einer
Abreise, man ist ermüdet und verwirrt vom Einpacken und Anordnen, wobei endlich
die Finsternis hereinbricht, und man mit dem Lichte bald in dieses, bald in
jenes Zimmer wandert, um nur nichts zu vergessen; Koffer und Mantelsäcke werden
dann zugeschlossen, und wir werden so recht darauf aufmerksam gemacht, wie unser
ganzes Leben aus so elenden Bedürfnissen zusammengeflickt ist, wie wir mit einem
Prass von unnützen Notwendigkeiten beladen, wie wir an uns selbst so wenig, ja
fast nichts sind. Das ängstliche Herumtreiben der Aufwärter, die größere Leere
der Zimmer, der Gedanke der Reise - alles gibt dann eine dunkle Allegorie von
der widrigen Maschinerie des menschlichen Lebens, wo alle Räder und alle
Getriebe so kreischend hervorschrein, wo das Bedürfnis die erste bewegende Kraft
ist. Dann gehen Berge und Täler wie Schatten meinem Sinn vorüber, ich erwarte den
Anbruch des Tages mit einer Ängstlichkeit, als wenn ich sterben sollte.
    Mit dem ersten Ruck des Wagens hören gewöhnlich meine Beklemmungen auf, ich
vergesse dann, dass ich den Ort, den ich verlasse, vielleicht nie, oder mit ganz
umgeänderten Gefühlen wiedersehe.
    In den wildesten Gegenden der Piemontesischen Gebirge fühlte ich mich oft
auf eine seltsame Art glücklich, ich dachte an den Vorfall mit den Räubern, der
mir vor mehr als zwei Jahren hier begegnete. Ich glaubte oft, dass Balder jetzt
aus einem dunkeln Gebirgpfad heraustreten müsste, oder dass niemand anders als
Amalie in der Kutsche vor mir fahren könne; oft hatten auch die Gesichter, denen
ich begegnete, eine auffallende Ähnlichkeit mit jenen, die ich suchte.
Mit trübem Auge
In finstrer Nacht,
Geht durch das Leben
Das Kind, geleitet
Vom ernsten Führer,
Den es nicht kennt.
Im Tal, am lauten Wasserfall,
Stehn beide Wandrer still,
Der Führer spricht zum Horchenden:
Sieh, hier blühen alle Blumen,
Alle Wünsche, alle Freuden,
Pflücke, denn wie fliessend Wasser
Rauscht das Leben dir vorüber.
Fort weicht die Gestalt
Und tiefbekümmert
Sieht ihr mit langem Blicke
Der einsam Verlassene schmachtend nach.
Wind säuselt in den Blumen,
Wellen murmeln wie zum fröhlichen Tanz,
Da beugt sich der Fremdling
Und mäht mit raschen zitternden Händen
Die kleine Stelle,
Auf der er steht.
Und Blumen und Gräser
Und giftiges Unkraut
Und stachlicht Gewürme
Fühlt zitternd die Hand.
