 unser Wissen und alles, was unsere Seele zu besitzen glaubt;
der Zweifel rauft das Unkraut zusamt dem Getreide aus, und in der leeren Wüste
schießen andre Pflanzen mit frischer Kraft hervor, deren Farben noch schöner und
glänzender spielen. Der Mensch muss denken und eben darum glauben, schlafen und
also träumen.
    Der Wechsel der Jahreszeiten zerstört die Berge und Felsen, die ewigen
Pfeiler der Erde zerbröckeln sich durch Regengüsse, der Mensch durch den Lauf
seines Bluts, ein Totenwurm in ihm, der ihn von innen heraus zernagt. Jedes Ding
ist Bild und Gegenbild zugleich, es erklärt sich selbst und man sollte nie
fragen: Wie hängt diese Erscheinung mit jener zusammen? - Der Geist des
Forschens ist die Erbsünde, die uns von unsern ersten gefallenen Eltern
angestammt ist.
    Alles, was ich sonst meine Gefühle nannte, liegt tot und geschlachtet um
mich her, zerpflücktes Spielzeug meiner unreifen Jugend, die zerschlagene
magische Laterne, mit der ich meine Zeit vertändelte.
    Ich nenne mir manchmal den Namen Amalie oder Rosaline, um alles, wie mit
einem Zauberspruche, wieder zum Leben zu erwecken, aber auch die Erinnerung ist
abgeblüht, und wenn ich mein ganzes Leben hinuntersehe, so ist mir, als wenn ich
über ein abgemähtes Stoppelfeld blicke; ein trüber Herbst wandelt näher, der
Nebel wird dichter, und der letzte Sonnenschein erlischt auf den fernen Bergen.
    Ich möchte in manchen Stunden von hier reisen und eine seltsame Natur mit
ihren Wundern aufsuchen, steile Felsen erklettern, und in schwindelnde Abgründe
hinunterkriechen, mich in Höhlen verirren, und das dumpfe Rauschen
unterirdischer Wasser vernehmen, ich möchte Indiens seltsame Gesträuche besehen,
und aus den Flüssen Wasser schöpfen, deren Name mich schon in den Kindermärchen
erquickte; Stürme möcht ich auf dem Meere erleben, und die ägyptischen Pyramiden
besuchen; - o Rosa, wohin mit dieser Ungenügsamkeit? und würde sie mir nicht
selbst zum Orkus und in Elysium folgen? -
    Und lern und erfahr ich denn nicht hier in Rom genug? Genügt mir nicht dies
tiefe wunderbare Leben, in dem die Wunder mit den Stunden wechseln? Wohin von
hier? Das Gewand der ganzen Erde ist kahl und dürftig - o Balder, ich möchte
Dich in den tiefen Gebirgen aufsuchen, um von Dir zu lernen und mit Dir zu
leben.
    Mein Geist knüpfet sich immer vertrauter an Andrea; ich verstehe ihn, soviel
sich zwei Menschen verstehen können, die immer das nämliche meinen und ganz
etwas anders sprechen; in jedem Körper liegt die Seele, wie ein armer Gequälter
in dem Stiere des Phalaris, sie will ihren Jammer und ihre Schmerzen ausdrücken,
und die Töne verwandeln sich und dienen zur Belustigung der umgebenden Menge. -
    Doch ich vergesse ganz, was ich erzählen wollte. Man vergisst über
