 stillen unbewussten Gefühlen auf die Art gut ist, wie das Tier durch
Instinkt, Nahrung und Gesundheit erwirbt, wie die Pflanze von innen
herauswächst, ohne ihren Willen. -
    Die Grundsätze werden von den Menschen nur erfunden, um in einer trägen
Bequemlichkeit ihr Leben so vor sich hin zu treiben, und in jedem Moment das
Ganze übersehn zu können. Sie haben es in irgendeinem Augenblicke ihres Daseins
recht lebendig gefühlt, dass kein Gedanke und keine Vorstellung fest und
unerschütterlich in uns stehen, dass eine strömende Empfindung, die oft plötzlich
hereinbricht, das niederreisst und hinwegführt, was oft seit Jahren mühsam
aufgebaut wurde; darum haben sie etwas ersinnen wollen, was die Gefühle wie mit
eisernen Klammern aneinanderhält, sie haben die meisten Saiten der Laute
zerrissen, um alle Töne im Gedächtnisse zu behalten, und sich durch keinen Klang
überraschen und verwirren zu lassen. - Aber wohl dem Menschen, der diese dürre
Bahn verlässt, auf der er sich erniedrigt fühlen muss, der sich vor keinem Gefühl
und Gedanken in sich selber entsetzt, der alle Segel seines Geistes anspannt,
und alle Flaggen im Winde fliegen lässt, ihm allein ist es vergönnt, sich selber
und seine geheimen Wunder in der Brust kennenzulernen; er findet tausend
Widersprüche in sich selber, alle Töne schlagen in ihm an, und er bildet aus
allen eine reiche Harmonie, die freilich dem gröberen Ohre unverständlich ist;
er sammlet alle die Tausend der seltsamen Erfahrungen, um sich endlich über sein
eigenes Wesen zu beruhigen.
    Ich habe mit Andacht die Blätter von der Hand meines Vaters gelesen; seine
Stimme tönt wie die Stimme eines unsichtbaren Geistes jenseit eines breiten
Stromes zu mir herüber; er sagt in seiner Verklärung mit andern Worten eben das,
was ich soeben behauptet habe. -
    Ihr Edlen und Vollendeten! die ihr aus dem verklärten Himmel mit Hohn auf
die Welt hinunterseht, und doch so sehr den gefallenen Engeln ähnlich seid! -
Warum hast Du mir keine Silbe von dem verlorenen Prozesse meines Vaters
geschrieben? - Er ist verloren, und mein Vater und Amalie sind mir auch
verloren! - - Du konntest es aber nicht unterlassen, mir die Krankheit Deines
Vaters zu melden, weil Dir die Hoffnung Deiner baldigen unumschränkten Freiheit
zu sehr im Sinne lag; eine heimliche Freude führte bei dieser Stelle Deine
Feder, das wirst Du mir nie ableugnen können, wenn Du aufrichtig bist. Um Dich
aber vor Dir selbst zu rechtfertigen, gebieten Dir Deine Grundsätze die Wartung
des Kranken, die Liebe eines Sohnes für ihn - o mehr kannst Du ja gar nicht tun,
Du beweinst dann noch seinen Tod - und welch ein vortrefflicher Mensch bist Du!
- O hinweg mit diesen Grundsätzen, mit allem ähnlich klingenden Galimatias! -
Larven, die den Eigennutz
