, und wir gehen dreist und grade
fort, als würde uns der Tod niemals ereilen: wir erschrecken nicht vor dem
Gifte, das diesen und jenen wohl von uns Gekannten hinrichtete. Wir haben nur
unsre Plane und Entwürfe im Auge, ach und bemerken es nicht, dass die Zeit hinter
uns schleicht, und uns unvermerkt in Staub und Asche verwandelt. O wehe der
menschlichen Eitelkeit! Wohl dem, der sich aus dem Strudel rettet, der uns alle
mit sich fortwälzt! - Die höchste einzige Weisheit des Menschen ist: nicht
diesem elenden Götzen zu opfern, dem, wie dem Moloch, alle unsre Kinder in die
glühenden Arme gelegt werden. - Ach William, es gibt kein einziges ernsthaftes
Geschäft in dieser Zeitlichkeit, als zu sterben.
Ach ja wohl könnte der Mensch viel besser sein, wenn er immer in sich den kurzen
Raum des Lebens bedächte. - Wie würden wir alles mit Liebe umfangen, wie warm
jedem Gegenstande, dem wir nahe sind, die Hand drücken, wenn wir immer
bedächten: Ach, auch dieses Gebild zerfällt in kurzem, und du weißt dann nicht,
wohin es gekommen ist; es sehnt sich nach deiner Liebe, o gib sie ihm, solange
du es noch, vor dir siehst. Mein Vater steht jetzt vor mir, und mahnt mich an
allen Gram den ich ihm so oft ohne Ursache machte, wie wenig ihm mein Herz in so
manchen Stunden entgegenkam. Auf seinem Sarge und jetzt hab ich es recht lebhaft
gefühlt, wie viel ich ihm hätte sein können. - Auch Du, William, wirst einst
nach mir in den Wind seufzen, und meinen Grabhügel fragen, ob ich Dir denn auch
ganz und aus vollem Herzen vergeben habe; ja, ja, geliebter Sohn, lass keinen
Seufzer der Reue dann in Deinem Busen aufsteigen; ach freilich habe ich in
manchen Stunden sehr auf Dich gezürnt, aber alles, alles ist jetzt fort, und
mein Herz ist nur mit reiner Liebe angefüllt.
Ich habe einen Blick hinab ins Tal des Todes getan, und nun taumeln alle Wesen
dieser Welt nüchtern und leer meinen Augen vorüber. Alles sind nur Larven, die
sich einander selbst nicht kennen, wo einer dem andern vorübergeht, und ihm ein
hohles Wort gibt, das jener durch ein unverständliches Zeichen beantwortet. -
Wie wüst ist mir seitdem, und wie alles durcheinander verworren! alles wie trübe
und unkenntliche Schatten eines veralteten Gemäldes. - Ich weiß mich kaum noch
des gestrigen Tages zu erinnern, in der Zukunft wandelt mein Geist, wie einen
Fremden betrachte ich mich selbst, und wünsche den Augenblick meines Todes.
Nur Dich, William, vermiss ich noch, sonst nichts in der Welt, ich übersehe mein
Leben und alle
