 mehr, Gram
und Krankheit haben endlich seinem mürben Leben ein Ende gemacht, das gleichsam
nur noch an einem Faden hing. - Ach, William, ich kann Dir unmöglich alles
sagen, was ich denke. - Mit weinenden Augen habe ich die Papiere gesiegelt, die
ich Dir hierbei überschicke, halte sie in Ehren, denn es sind die letzten
Federzüge Deines Vaters, er muss oft in seinen einsamen Stunden nach Dir
hinübergedacht, nach Dir sich hingesehnt haben. - Auch mein Vater ist jetzt
krank, und ich habe viel mit seiner Pflege zu tun; o Freund, wenn man fürchtet,
dass jemand, den wir so wohl kannten, nun von uns scheiden will, nach einem
unbekannten Lande hin, und er selbst uns dann fremde wird - o dann verdoppeln
wir unsre Liebe und Sorgfalt, wir vergessen uns selbst, und eben deswegen
vieles, was wir ehedem an ihm tadelten. - -
    Amalie Wilmont ist mit Deinem Freunde Mortimer verheiratet. Ich weiß nicht,
wie Du diese Nachricht aufnehmen wirst; mir ist oft wie einem melancholischen
Zuschauer zumute, der im Schauspiele mit Widerwillen den Schluss des Stücks
herannahen sieht, wie sich alles verläuft, die Hauptpersonen ausbleiben, die
munteren Scherze schon erstorben sind - endlich fällt der Vorhang, und unsre
Freuden, unsre Teilnahme, unser Leben, alles, was wir hatten, ist dahin!
 
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                          Einlage des vorigen Briefes
Die größte Schwachheit des Menschen ist, Plane für die Zukunft zu machen, und
doch besteht darin das Leben: auf nichts sollte man vertrauen, denn nie
entspricht die Zukunft unsern Erwartungen, wenn sie zur Gegenwart wird, und wir
selbst und unsre innersten Empfindungen sind ebensogut dem Wechsel unterworfen,
wie alles, was uns umgibt. Reut mich nicht jetzt, was mir vordem Freude machte?
Ach, mein Sohn, könnt ich Dich nur in meine Arme schließen, wie froh wollt ich
sein, dass ich von meinem Traume erwacht bin! -
Wie alles von mir zurückweicht, was mich sonst aufrecht erhielt! Meine Hände
zittern, mein Gedächtnis wird schwach, und alle schönen Vorstellungen
verfliegen, wie die Dünste eines Rausches. Mein ganzes Leben liegt wie ein
dunkler Abgrund da, in den ich hineintaumelte, ohne Besinnung dalag, und mich
jetzt mühsam an den feuchten Wänden zum Lichte emporarbeite.
Nein, ich kann den Tod nicht fürchten, der mir in jeder Stunde näher tritt, ich
sehe ihm mit festen Augen, ja mit einer Art von Sehnsucht entgegen. Jeder Klang
ist versunken, nur eine innige Wehmut schlägt unermüdet ihre Töne in mir an, so
wie sich jedes fröhliche Geräusch in den ziehenden ernsten Kirchengesang
verliert. Alle Gedanken sind nach dem Grabe hingerichtet, Sonnenaufgang und
Untergang, alle Erscheinungen der Natur sind mir Boten
