 Melancholie, die mich gerührt hat, er sah bleich und krank
aus, er umarmte mich mit einer Herzlichkeit, in der ich ihn noch nie gesehen
habe, er findet überhaupt sein Glück in dem meinigen und in der Zukunft, die er
mir ebnen will; er sprach so manches von Verbindungen, die er meinetwegen suchen
würde; er schien mir ankündigen zu wollen, wie sehr er einst meine Verheiratung
mit der einzigen Tochter und Erbin des Lord Bentink wünschen würde - wer weiß,
wie viel Unglück mir noch die trübe Zukunft aufbewahrt. - Ich überlasse mich
zuweilen mit einer unbegreiflichen Trägheit der Zeit, dass sie den Knäuel
auseinander wickele, der mir zu verworren scheint.
    Von Dir hab ich also nun auf lange Abschied genommen? - Bald werden sich
Städte und Meere zwischen uns werfen, bald wird ein Brief von Dir zu mir Wochen
auf seiner Reise brauchen. - Den Abend vor meiner Abreise von Bondly ging ich
noch einmal durch die mir so bekannten Gärten, ich nahm von jedem Orte Abschied,
der mir durch die Zeit, oder irgendeine Erinnerung wert geworden war. Aus den
Wipfeln fiel eine schwere Ahndung auf mich herab, dass ich nie dort wieder
wandeln würde, oder im Verluste aller dieser großen Gefühle, die den Geist in
die Unendlichkeit drängen und uns aus unsrer eigenen Natur herausheben.
    Wenn ich nun einst wiederkehrte, den Busen mit den schönsten Gefühlen
angefüllt, mein Geist genährt mit den Erfahrungen der Vorwelt und eigenen
Beobachtungen, wenn ich nun bemüht gewesen wäre, die Schönheiten der ganzen
Natur in mich zu saugen, um dann ein fades, alltägliches Leben zu führen, von
der Langeweile gequält, von allen meinen großen Ahndungen verlassen; - wie ein
Gefangener, der seinen Ketten entspringt, im hohen Taumel durch den
sonnbeglänzten Wald schwärmt - und dann zurückgeführt, von neuem an die kalte
gefühllose Mauer geschmiedet wird. -
    Doch, ich sehe Dich lächeln - nun wohl, ich gebiete meiner Phantasie, und
diese schwarzen Gestalten sinken mit ihrem nächtlichen Dunkel vom Tuche herab,
und ein liebliches Morgenrot dämmert empor - da hebt sich nun die ganze
Landschaft majestätisch und schön aus dem chaotischen Nebel empor, wie von der
Hand eines Gottes angerührt steht die Natur in ihrer reizendsten Schöne da und
die Phantasie verliert sich in den Gebirgen, den Grenzen des Horizontes. - Schon
ist die Natur geschäftig, in fernen Landen alle meine Ideale zu realisieren,
schon seh ich jede Landschaft wirklich, die ich einst als Gemälde bewunderte
oder von der ich in einer Beschreibung entzückt ward, die Kunstwerke des großen
Menschenalters stehen vor mir, die die grausame Hand der unerbittlichen Zeit
selbst nicht zu zernichten wagte, um nicht die glänzendste Periode der
Weltgeschichte auszulöschen. -
    Oh, wenn Amalie mich liebte! -
