 zu schwingen.
Es sinkt auf ihn der Götter Flammenschein,
Er hört das Chor von tausend Sphären klingen,
Er wagt es zum Olymp hinaufzudringen,
Und wagt es nur ein Mensch zu sein.
Sie haben schon oft über meine Verse gespottet, und hier gebe ich Ihnen eine
neue und noch bessere Gelegenheit, denn ich habe die Silben und ihre Längen und
Kürzen nicht nachzählen mögen; ein so korrekter Kritiker, wie Sie, findet also
für seine Bemerkungen Stoff genug. -
    Ich durchschweife oft in meinen abenteuerlichen Stimmungen die Stadt, und
labe mich in der magischen Nacht an den wunderbaren und rätselhaften Bildern der
äußern Gegenstände. Oft schwebt die Welt mit ihren Menschen und Zufälligkeiten
wie ein bestandloses Schattenspiel vor meinen Augen. - Oft erschein ich mir dann
selbst wie ein mitspielender Schatten, der kommt und geht, und sich wunderlich
gebärdet, ohne zu wissen warum. Die Straßen kommen mir dann nur vor, wie Reihen
von nachgemachten Häusern mit ihren närrischen Bewohnern, die Menschen
vorstellen; und der Mondschein, der sich mit seinem wehmütigen Schimmer über die
Gassen ausstreckt, ist wie ein Licht, das für andere Gegenstände glänzt, und
durch einen Zufall auch in diese elende lächerliche Welt hineinfällt.
    Dann schweif ich im wundervollsten Genuss der Phantasie auf den freien
Plätzen und zwischen den Ruinen umher, und ergötze mich an den Gestalten, die
vorübergehn und mein Gefühl nicht kennen, und von mir nichts wissen. - Am
liebsten aber begleite ich irgendeines der vorüberstreifenden Mädchen, oder
besuchte eine meiner Bekanntinnen und träume mir, wenn mich ihre wollüstigen
Arme umfangen, ich liege und schweige an Amaliens Busen. - Nichts macht mir dann
meine eingebildete, alte schwärmerische Liebe so abgeschmackt und lächerlich,
als dieser vorsätzliche Betrug.
    Wie seltsam wird mir oft, wenn ich einem Mädchen nachfolge, die mich in ihre
finstre enge Wohnung führt, wo ein Kruzifix über dem Bette hängt, und die Bilder
der Madonne und von Märtyrern neben Schminktöpfen und schmutzigen Gläsern mit
Schönheitswassern; oder wenn ich im Gedränge von Lazzaronis und Handarbeitern in
einer Herberge hinter einer andern stehe, und mit ebenso vieler Andacht den
pöbelhaften Spässen eines Pulicinello zuhöre, mit der ich ehedem den Shakespeare
sah. - Das Leben ist nichts, wenn man es nicht auf die sinnlichroheste Art
genießt; der Widerschein der Wollust fällt auf alle Gegenstände, und färbt auch
die uninteressantesten mit einem goldenen Schimmer. - Amalie ist auch nur einer
von den wandelnden Schatten, die Zeit ergreift sie ebenso, wie mich, und wirft
das abgenutzte, veraltete Bild in ihre dunkeln Tiefen, in die kein Auge dringt,
und wo die Marionetten von tausend Jahrhunderten in bunter Vermischung
aufgehäuft übereinanderliegen.
    Leben Sie wohl, und kommen Sie nach Rom, es ist endlich Zeit, kommen Sie
gleich
