
erhabenen Stufe, als wenn die Augen wie Sterne funkeln, und der Geist wie eine
Mänade wild durch alle Regionen der frechsten und wildesten Gedanken schwärmt.
Dann pochen wir auf unsre Größe, und sind unserer Seele und Unsterblichkeit
gewiss, kein lahmkriechender Zweifel holt den fliegenden Geist ein; wir
durchschauen wie mit Seherblicken die Welt, wir bemerken die Klüfte in unsern
Gedanken und Meinungen, und fühlen mit lachendem Wohlbehagen, wie Denken und
Fühlen, Träumen und Philosophieren, wie alle unsre Kräfte und Neigungen, alle
Triebe, Wünsche und Genüsse nur eine, eine glänzende Sonne ausmachen, die nur in
uns selbst zuweilen so tief hinuntersinkt, dass wir ihre verschiedene
Strahlenbrechung für unterschiedene getrennte Wesen halten.
    Spotten Sie nicht, Rosa, wenn ich Ihnen sage, dass jetzt eben diese Glut des
Weins aus mir spricht: oder spotten Sie vielmehr, so viel Sie wollen, denn auch
das gehört zu den Vortrefflichkeiten des Menschen.
Ha! welche Wesen sind es, die das Tor
Der dunkeln Ahndungen entriegeln?
Was hebt den Geist auf goldbeschwingten Flügeln
Zum sternbesäten Himmelsplan empor? -
Es schlägt der schwarze Vorhang sich zurücke,
Und wundervolle Szenen tun sich auf,
Seltsame Gruppen meinem starren Blicke:
Gleich Traumerinnerung! mit frischem Glücke
Beginn ich froh den neuen Lebenslauf!
Ich fühle mich von jeder Schmach entbunden,
Die uns vom schönen Taumel rückwärts hält,
Die jämmerlichen Ketten sind verschwunden,
Mit Freudejauchzen stürzen goldne Stunden
Rasch auf mich ein, und ziehen mich tanzend durch, die Welt.
Es sammlen sich aus den verborgenen Klüften
Die Freuden wie Mänaden um mich her,
Es klingen ungesehne Lieder in den Lüften,
Es wogt um mich ein ungestümes Meer,
Und Töne, Jauchzen, Wonne schwebt auf Blumendüften,
Und alles stürmt um mich, ein wildes Heer.
Ich steh im glanzgewebten Feenlande,
Und sehe nicht zur dürren Welt zurück,
Es fesseln mich nicht irdischschwere Bande,
Entsprungen bin ich kühn dem meisternden Verstande,
Und taumelnd von dem neugefundnen Glück! -
Hinweg mit allen leeren Idealen,
Mit Kunstgefühl und Schönheitssinn,
Die Stümper quälen sich zumalen,
Und nagen an den dürren Schalen
Und stolpern über alle Freuden hin.
Hinweg mit Kunstgeschwätz und allen Musen,
Mit Bilderwerk, leblosem Puppentand -
Hinweg! ich greife nach der warmen Lebenshand,
Mich labt der schön geformt lebendge Busen.
Ach, alles flieht wie trübe Nebelschatten,
Was ihr mit kargem Sinne schenken wollt:
Nur der besucht Elysiums schöne Matten,
Nur dem ist jede Gottheit hold,
Der keinem Sinnentrug sein Leben zollt.
Der nicht in Lustgefilden schweift,
Und sich an Dunstphantomen weidet,
Durch kranke Wehmut und Begeisterung streift -
Nein, der die schlanke Nymphe rasch ergreift,
Die sich zum kühlen Bad entkleidet.
Ihm ist's vergönnt zum Himmel sich
