 Ich verstelle mich nicht mehr und bin wahnsinnig! - Wie vernünftig
die Menschen doch sind!
    O ich muss fort, fort, ich will in wilden Wäldern die Seelen suchen, die mich
mehr verstehen, ich will Kinder erziehn, die mit mir sympatisieren: es ist nur
nicht Mode so zu denken, wie ich, weil es nicht einträglich ist.
    Ich spiele mit den Menschen, die zu mir kommen, wie mit bunten Bildern. Ich
gab mir neulich die Mühe, mich zu dem dummen Geschwätze meines Arztes
herunterzulassen; wir sprachen über Stadtneuigkeiten, über Anekdoten, die er
ungemein lächerlich fand; ich lieh ihm meine Zunge zum Dreinklingen und er fand,
dass ich mich ungemein bessere. Mit Selbstzufriedenheit verließ er mich, und ich
konnt es nicht unterlassen, ihm nach unsrer feierlichen Unterhaltung ein so
lautes Gelächter nachzuschicken, dass er sich erblassend umsah, und wieder alle
Hoffnung verloren gab.
    Ich habe ehedem einen Menschen gekannt, der taub, stumm und blind war. Keine
Seele schien sich in ihm zu offenbaren, und er war vielleicht der Weiseste unter
den Sterblichen.
    Rosa hält sich für sehr klug, und sieht mich immer mit Mitleid an, und ich
möchte nicht er sein; ein Narr, den jeder Blick eines Mädchens entzückt, der
immer, wenn er spricht, Epigramme drechselt und seine Worte nur für ein
dankbares Lächeln verkauft; dessen Lebenslauf kleine Zirkel sind, die er
unaufhörlich von neuem durchläuft. Wenn er stirbt, wird ihm die Scham gewiss am
meisten weh tun, dass er ordentlich verwesen muss.
    Ich wohne jetzt in einem Garten vor dem Tore. Wie auf der See treiben meine
Gedanken ungestüm hin und wider, ich fürchte mich vor dem blauen gewölbten
Himmel über mir, der dort gebogen wie ein Schild über der Erde steht, unter
welchem wir Gewürme wie gefangene Mücken sumsen, und nichts sehen und nichts
kennen und fühlen. - Ich mag auch gar nichts mehr denken und ersinnen. - Es geht
ein Sturm durch die Wölbung und die fernen Wälder zittern rauschend, die See
fürchtet sich und murmelt leise und verdrossen, es donnert fernab im Himmel, als
wenn ein Gewitter zurechtgelegt wird, und der Werkmeister unachtsam den Donner
zu früh aus der Hand fallen lässt. - -
    Ich schreibe beim heftigsten Gewitter. - Es braust mit Hagel und Regengüssen
und der Sturmwind und Donner stimmen sich, und einer singt dem andern den
tobenden Wechselgesang nach. Wie fliehende Heere jagen Wolken Wolken, und die
Sonne flimmert bleich auf fernen Inseln, die ganz weit weg wie goldene
Kinderjahre in der Sturmfinsternis dastehen; das Meer schlägt hohe Wogen und
donnert in seinem eigentümlichen Ton. - Ich lache und wünsche das Wetter immer
lauter und lauter, und schreie dazwischen und schelte den
