 beflügelte die Sehnsucht nach
einem gleichen Genuss, und die Fülle ihrer Darstellungen gab meinem trägen Herzen
neue Spannkraft und meinen halb verloschenen Augen neues Feuer wieder. Im
Nachhall meines süßen Taumels reiste ich ab, und neue Lebensluft schien mir mit
jedem Schritte balsamischer entgegen zu wehen. Ach! nur zu bald empfand ich, dass
wir nie das wieder werden können, was wir einmal aufgehört haben zu sein. Die
Erfahrungen die wir machen, die Gefühle, die in uns entwikkelt werden, ändern
unaufhörlich an unserm Wesen - und kein Gott kann ihre Wirkung aufhalten! - Jetzt
stand ich wieder da auf mütterlicher Erde, sah ihre hohe Natur, ihre blühenden
Erzeugnisse wieder, die mir auch in der Ferne oft so freundlich gewinkt hatten.
O! einziges himmlisches Gefühl! Mein Herz schwoll auf, fand in der ganzen Welt
nichts seiner Sehnsucht wert, wie diesen kleinen Raum, und fand in diesem Raume
eine Welt. Ich schaute hin in die Ferne, die grau und ungewiss vor meinen Blikken
lag, und ein Schwarm von strebenden Gefühlen wallte in mir auf. O! Nanette,
Nanette, dachte ich. Nur einen Pulsschlag lang hatte ich sie vergessen. Der
erste Eindruk, wieder im Vaterlande zu sein, hatte mich überwältigt; doch
unauslöschbar stand ihr Bild vor meiner Seele. Sie war mein vollendetster
Gedanke, der sich innigst mit jedem meiner Genüsse verwebte.
    Mein Vater und meine Verwandten empfingen mich mit tausend Freuden. Ich war
ihr Liebling gewesen, als ich von ihnen schied, und ich war es noch. Tausend
Beweggründe regten mich nun zu neuer Tätigkeit an. Dieser allmächtige Trieb,
der, unter welchen schönen, tausendfachen Modificationen! auf dem ganzen
Erdboden sichtbar wird, der Trieb zu wirken, ergriff auch mich. Ich arbeitete
für das Wohl, für die Ruhe anderer, aber meine eigene Ruhe schien mir
unwiederbringlich verloren zu sein. Die ahndungsvolle Seeligkeit, die mein
Gefühl aus dem Zauberkelche der Liebe gekostet, die geistige Wollust, die ich in
Lorenzos Umgange genossen, was konnte mir sie ersetzen, was sie zurückbringen? -
Ich widerstand dem Schmerz über ihren Verlust nicht länger, und die Ungewissheit
über ihr Schicksal verstärkte ihn täglich mehr. Zu schwach, den zweklosen Gram
mit Vernunftgründen besiegen zu können - zu stark, um mich von seiner
Rechtmässigkeit zu überreden, war ich doppelt unglücklich, weil es mir an innrer
Harmonie gebrach. Wie mit einer lichtscheuen, menschenfeindlichen Krankheit
behaftet, suchte ich nur Dunkel und Einöde; Schweigen und Einsamkeit war das
Einzige, was mir in der Welt noch erträglich dünkte. Alles, was mir sonst so
begehrungswert geschienen, war mir gleichgültig. Ein paar Jahre hatten meine
Jugendgespielen größtenteils von mir getrennt, oder sie wiegten sich noch in
den Träumen einer
