 Wir sind nicht fürs Einzelne, Beschränkte geschaffen. Nicht
wahr, mein Bellarmin? Mir wuchs ja nur darum kein Arkadien auf, dass das
Dürftige, das in mir denkt und lebt, sich ausbreiten sollte, und das Unendliche
umfassen. -
    Das möcht ich auch, o das möcht ich! Zernichten möcht ich die
Vergänglichkeit, die über uns lastet, und unsrer heiligen Liebe spottet, und wie
ein Lebendigbegrabner sträubt sich mein Geist gegen die Finsternis, worin er
gefesselt ist.
    Ich wollte erzählen. Ich will es tun. Von außen stört mich nichts in meinen
Erinnerungen. Meer und Erde schläft in der Schwüle des Mittags, und selbst die
Quelle, die sonst hier unter mir rieselte, ist vertrocknet. Kein Lüftchen
säuselt durch die Zweige. Ein leises Ächzen der Erde, wenn der brennende Strahl
den Boden spaltet, hör ich zuweilen. Aber das stört wohl nicht. Auch gibt die
Zypresse, die über mir trauert, Schatten genug.
    Der Abend, da ich von ihr ging, hatte mit der Nacht gewechselt, und die
Nacht mit dem Tage; aber für mich nicht. In meinem Leben war kein Schlaf und
kein Erwachen mehr. Es war nur Ein Traum von ihr, ein seliger schmerzlicher
Traum; ein Ringen zwischen Angst und Hoffnung. Endlich ging ich hin zu ihr.
    Ich erschrak, wie sie nun vor mir stand, so ganz anders, als in mir es
aussah, so ruhig und selig, in der Allgenügsamkeit einer Himmlischen. Ich war
verwirrt und sprachlos. Mein Geist war mir entflohen.
    Ich glaube nicht, dass sie es ganz bemerkte, wie sie überhaupt bei all ihrer
himmlischen Güte nicht sehr genau darauf zu achten schien, was um sie vorging.
    Sie hatte Mühe, mich dahin zurückzubringen, wo wir den Abend zuvor geendet
hatten. Endlich regte sich doch hie und da ein Gedanke in mir, und schloss sich
fröhlich an die ihrigen an.
    Sie wusste nicht, wie unendlich viel sie sagte, und wie ihr Bild zum
Überschwenglichen sich verherrlichte, wenn das Hohe ihrer Gedanken an ihrer
Stirne sich offenbarte, und der königliche Geist sich vereinigte mit der Huld
des arglosen alliebenden Herzens. Es war, als träte die Sonne hervor im
freundlichen Äther, oder als stiege ein Gott hernieder zu einem unschuldigen
Volke, wenn das Selbstständige, das Heilige neben ihrer Grazie sichtbar ward.
    Solang ich bei ihr war, und ihr begeisterndes Wesen mich emporhub über alle
Armut der Menschen, vergaß ich oft auch die Sorgen und Wünsche meines dürftigen
Herzens. Aber wenn ich weg war, dann verbarg ichs mir umsonst, dann klagt' es
laut auf in mir, sie liebt dich nicht! Ich zürnte und kämpfte. Aber mein Gram
ließ nicht ab von mir
