, um ihn nicht zu stören in
seinem stillen Geschäfte!
    Itzt kann ich wohl manchmal spielen mit den Geistern vergangner Stunden.
    Mein alter Freund, der Frühling, hatte mich überrascht in meiner Finsternis.
Sonst hätt ich ihn noch von ferne gefühlt, wenn die erstarrten Zweige sich
regten, und ein lindes Wehen meine Wange berührte. Sonst hätt ich für jedes Weh
Linderung von ihm gehofft. Aber das Hoffen und Ahnden war allmählich aus meiner
Seele verschwunden.
    Itzt war er da, in aller Glorie der Jugend.
    Mir war, als sollt ich doch auch wieder fröhlich werden. Ich öffnete meine
Fenster, und kleidete mich, wie zu einem Feste. Er sollte auch mich besuchen,
der himmlische Fremdling.
    Ich sah, wie alles hinausströmte ins Freie, aufs freundliche Meer von
Smyrna, und sein Gestade. Sonderbare Erwartungen regten sich in mir. Ich ging
auch hinaus.
    Da zeigte sich recht die Allmacht der Natur. Fast jedes Gesicht war
herzlicher; überall wurde offener gescherzt, und wo man sich sonst recht
feierlich begrüßt hatte, bot man sich jetzt die Hände. Alles verjüngte und
begeisterte der herrliche süße Frühling.
    Der Hafen wimmelte von jauchzenden Schiffen, wo Blumenkränze wehten, und
Chierwein blinkte, die Myrtenlauben tönten von fröhlichen Melodien, und Tanz und
Spiel durchrauschte die Ulmen und Platanen.
    Ach! ich suchte mehr, als das. Das konnte nicht vom Tode retten.
Unwillkürlich, verloren in meinem Gram, kam ich in den Garten des Gorgonda
Notara, meines Bekannten. -
    Ein Rauschen aus einem Seitengange störte mich auf. -
    Ach! mir - in diesem schmerzlichen Gefühl meiner Einsamkeit, mit diesem
freudeleeren blutenden Herzen - erschien mir Sie; hold und heilig, wie eine
Priesterin der Liebe stand sie da vor mir; wie aus Licht und Duft gewebt, so
geistig und zart; über dem Lächeln voll Ruh und himmlischer Güte tronte mit
eines Gottes Majestät ihr großes begeistertes Auge, und, wie Wölkchen ums
Morgenlicht, wallten im Frühlingswinde die goldnen Locken um ihre Stirne.
    Mein Bellarmin! könnt ich dirs mitteilen, ganz und lebendig, das
Unaussprechliche, das damals vorging in mir! - Wo waren nun die Leiden meines
Lebens, seine Nacht und Armut? die ganze dürftige Sterblichkeit?
    Gewiss, er ist das höchste und seligste, was die unerschöpfliche Natur in
sich fasst, ein solcher Augenblick der Befreiung! Er wiegt Aeonen unsers
Pflanzenlebens auf! Tot war mein irdisches Leben, die Zeit war nicht mehr, und
entfesselt und auferstanden fühlte mein Geist seine Verwandtschaft und seinen
Ursprung.
    Jahre sind vorüber; Frühlinge kamen und gingen; manch herrlich Bild der
Natur, manche Reliquie deines Italiens, aus himmlischer Phantasie
hervorgegangen, erfreute mein Auge; aber das meiste verwischte die Zeit;
