 deiner nicht oft gedenken. Ich muss
mich hüten vor den Schmerzen und Freuden der Erinnerung. Ich bin, wie eine
kranke Pflanze, die die Sonne nicht ertragen kann. Leb auch du wohl, mein
Bellarmin! Bist du indes dem Heiligtum der Wahrheit näher gekommen? Könnt ich
ruhig suchen, wie Du! -
    Ach! bin ich nur dort einmal angekommen, dann soll es anders werden mit mir.
Tief unter uns rauscht dann der Strom der Vergänglichkeit mit den Trümmern, die
er wälzt, und wir seufzen nicht mehr, als wenn das Jammern derer, die er
hinunterschlingt, in die stillen Höhen des Wahren und Ewigen heraufdringt.
                                                               Kastri am Parnass.
Vom Gegenwärtigen ein andermal! Auch von meiner Reise mit Adamas vielleicht ein
andermal! Unvergesslich ist mir besonders die Nacht vor unserem Abschiede, wo wir
an den Ufern des alten Ilion unter Grabhügeln, die vielleicht dem Achill und
Patroklus, und Antilochus, und Ajax Telamon errichtet wurden, vom vergangenen und
künftigen Griechenlande sprachen, und manchem andern, das aus den Tiefen und in
die Tiefen unsers Wesens kam und ging.
    Der herzliche Abschied Melites, Adamas Geist, die heroischen Phantasien und
Gedanken, die, wie Sterne aus der Nacht, uns aufgingen aus den Gräbern und
Trümmern der alten Welt, die geheime Kraft der Natur, die überall sich an uns
äußert, wo das Licht und die Erde, und der Himmel und das Meer uns umgibt, all
das hatte mich gestärkt, dass jetzt etwas mehr sich in mir regte, als nur mein
dürftiges Herz; Melite wird sich freuen über dich! sagt ich mir oft ingeheim mit
inniger Lust, und tausend güldne Hoffnungen schlossen sich an, an diesen
Gedanken. Dann konnte mich wieder eine sonderbare Angst überfallen, ob ich sie
wohl auch noch treffen werde, aber ich hielt es für ein Überbleibsel meines
finsteren Lebens und schlug es mir aus dem Sinne.
    Ich hatte am Sigäischen Vorgebirge ein Schiff getroffen, das geradezu nach
Smyrna segelte, und es war mir ganz lieb, den Rückweg auf dem Meere an Tenedos
und Lesbos hin zu machen.
    Ruhig schifften wir dem Hafen von Smyrna zu. Im süßen Frieden der Nacht
wandelten über uns die Helden des Sternenhimmels. Kaum kräuselten sich die
Meereswellen im Mondenlichte. In meiner Seele wars nicht ganz so stille. Doch
fiel ich gegen Morgen in einen leichten Schlaf. Mich weckte das Frohlocken der
Schwalben und der erwachende Lärm im Schiffe. Mit allen seinen Hoffnungen
jauchzte mein Herz dem freundlichen Gestade meiner Heimat zu, und dem
Morgenlichte, das über dem Gipfel des dämmernden Pagus, und seiner alternden
Burg, und über den Spitzen der Moskeen und dunkeln Zypressenhaine hereinbrach,
und ich lächelte treuherzig gegen die Häuserchen am Ufer, die mit ihren
glühenden
