 wehrlose Erdensohn? - Solltet ihr größere Tränen abzutrocknen haben
als unsre? - Ach, wenn der Schöpfer seine Liebe so in euch wie in uns gelegt
hat, so sinkt ihr gewiss auf diese Erde und tröstet das umstürmte Herz unter dem
Monde, fliegt um die gedrückte Seele, deckt eure Hand auf die versiegende Wunde
und denkt an die armen Menschen!
    Und wenn hienieden ein Geist geht, der euch einmal gleichen wird, könnt ihr
euren Bruder vergessen? - Engel der Freude! sei mit meinem und deinem Freunde,
wenn die Sonne kommt, und lass Ihn schöne fromme Morgen angrünen! Sei mit Ihm,
wenn sie höher geht und wenn Ihn die Arbeit drückt! - O nimm den entfernten
Seufzer einer Freundin und kühle damit Seinen! Sei mit Ihm, wenn die Sonne
weicht, und richte Sein Auge auf den im weißen Trauergewand aufsteigenden Mond
und auf den weiten Himmel, worin der Mond und du gehen! -
    Engel der Tränen und der Geduld! Du, der du öfter um den Menschen bist! Ach,
vergesse mein Herz und mein Auge und lass sie bluten - sie tun es doch gern -;
aber stille, wie der Tod, das Herz und das Auge meines Freundes und zeig ihnen
auf der Erde nichts als den Himmel jenseits der Erde. - Ach, Engel der Tränen
und der Geduld! Du kennst das Auge und das Herz, das sich für Ihn ergiesset, du
wirst Seine Seele vor sie bringen, wie man Blumen in den Sommerregen stellt!
Aber tu es nicht, wenn es Ihn zu traurig macht! O Engel der Geduld! ich liebe
dich, ich kenne dich! ich werde in deinen Armen sterben!
    Engel der Freundschaft! - vielleicht bist du der vorige Engel? .... ach!
.... Dein himmlischer Flügel hülle Sein Herz ein und wärm' es schöner, als die
Menschen können - ach, du würdest auf einer andern Erde und ich auf dieser
weinen, wenn an einem kalten Herzen Sein heißes, wie am gefrierenden Eisen die
warme Hand, anklebte und blutig abrisse! .... O bedeck Ihn; aber wenn du es
nicht kannst, so sag mir Seinen Jammer nicht!
    O ihr immer Glücklichen in andern Welten! euch stirbt nichts, ihr verliert
nichts und habt alles! - Was ihr liebt, drückt ihr an eine ewige Brust, was ihr
habt, haltet ihr in ewigen Händen. - Könnt ihrs denn fühlen in euren glänzenden
Höhen droben, in eurem ewigen Seelenbunde, dass die Menschen hienieden getrennt
werden, dass wir einander nur aus Särgen, eh' sie untersinken, die Hände reichen,
ach, dass der Tod nicht das einzige, nicht das Schmerzhafteste ist,
