 der traurigste und der freudigste Mensch so schwer versagen kann ....
    Gerade jetzt drängte ich mich wieder hinaus in seine Strahlen und komme
wieder an meinen Schreibtisch und danke dem Schleier der Nacht, der um das
Universum doppelt herumreicht, dass er auch über den größten Schmerzen und
Freuden der Menschen sich faltet .... Wir waren also auf unserer Insel so
schwermütig stumm, wie an einer Pforte der fröhlichen Ewigkeit; der länderbreite
Frühling zog mit seiner Herrlichkeit - mit seinem gesunknen lauen Monde - mit
seinem schillernden Venusstern - mit seiner erhabenen Mitternachtröte - mit
seinen himmlischen Nachtigallen vor fünf Menschen vorüber; er warf und häufte in
diese fünf Überglückliche seine Knospen und seine Blüten und seine dämmernden
Aussichten und Hoffnungen und seine tausend Himmel und nahm ihnen nichts dafür
weg als ihre Sprache. O Frühling! o du Erde Gottes! o du unumspannter Himmel!
ach! regte sich heute doch in allen Menschen auf dir das Herz in freudigen
Schlägen, damit wir alle nebeneinander unter den Sternen niederfielen und den
heißen Atem in eine Jubel-Stimme ergössen und alle Freuden in Gebete, und das
hohe Herz nach dem hohen Himmelblau richteten und in der Entzückung nicht
Kummer-, sondern Wonne-Seufzer abschickten, deren Weg so lang zum Himmel wie
unserer zum Sarge ist! ... Du bitterer Gedanke, oft unter lauter Unglücklichen
der Fröhliche zu sein! - du süsserer, unter lauter Glücklichen der Betrübte zu
sein!
    Endlich flossen vom Silberblick des steigenden Mondes die trübenden
Schlacken hinweg; er stand wie eine unaussprechliche Entzückung höher in der
Nacht des Himmels, aus dessen Hintergrund in den Vorgrund gemalt. Die Frösche
durchschlugen wie eine Mühle die Nacht, und ihr forttönender vielstimmiger Lärm
hatte die Wirkung eines Schweigens. - O welcher Mensch, den der Tod zu einem
über die Erde fliegenden Engel gemacht hätte, wäre nicht auf sie niedergefallen
und hätte unter irdischem Laub und auf der irdischen, vom Monde übersilberten
Erde (wie von der Sonne übergoldeten) nicht an seinen verlassenen Himmel gedacht
und an seine alten Menschen-Auen, seine alten Frühlinge hienieden und an seine
vorigen Hoffnungen unter den Blüten? -
    Ihr Rezensenten! vergebt mir nur heute und lasset mich fortfahren!
    Endlich stiegen wir in die Gondel wie in einen Charons-Nachen ein, wir
räumten entzückt und unwillig das buschige Ufer und den aus dem Wasser an seine
Blätter aufgestrahlten Widerschein. Das größte Vergnügen, der größte Dank
treiben nicht waagrechte, sondern senkrechte, ins Herz greifende versteckte
Wurzeln; wir konnten also zu Fenk nicht viel sagen, der von der Freudenstätte
heute nacht nicht weggeht. - Du Freund! der mir teurer als allen andern ist,
vielleicht wenn alles stiller und der Mond höher und reiner und die Nacht ewiger
ist, gegen Morgen
